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Lebenszeichen


Was die Nacht hell macht

Einen jungen Mann hörte ich: „Ich suche nach Erleuchtung. Aber die Welt ist so brutal. Ich habe so viel Angst, dass ich nur überleben kann, wenn ich die Augen zumache. Woher soll da die Erleuchtung kommen? Lichter fallen mir ein, wenn ich das Wort ‚Weihnachten’ höre. Aber die Angst bleibt.“


Er sagt mit anderen Worten: Lichter fallen mir ein. Millionen Glühbirnen, die in Girlanden über die Straße hängen und Energie verzehren. Millionen Kerzen, die in Häusern angezündet werden. Millionen Sterne aus Goldpapier, die glitzern, wenn das Licht der Glühbirnen auf sie trifft, Flitter- und Glitzerzeug. Nichts als Lichter fallen mir ein. Vor allem fällt mir ein, dass es trotzdem in mir selber finster ist. Und in den anderen Leuten auch. Licht! Das wäre etwas. Aber wer bringt mir schon Licht?


Wir könnten versuchen (‚anhand dieses Adventskalender’ steht da eigentlich noch, denn auf diesem steht das Zitat – aber ich denke, es macht auch so Sinn), es anzunehmen, dass es in uns selbst dunkel ist auch bei allen Lichtkaskaden von außen. Und nicht dorthin ausweichen, wo die Beleuchtung ist, sondern die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und das Wort der Bibel hören: „Der Mensch, der im Finstern geht, sieht ein Licht.“ Und dann mitten in der lichtlosen Wirklichkeit unseres eigenen Herzens ein kleines Licht wahrnehmen, von einem Tag zum anderen deutlicher. Wie einen Stern, der fernab unserer Welt seine Kreise zieht. Und dann dem nachgehen, was, kaum sichtbar, vor uns herleuchtet, wie es die Weisen aus dem Morgenland taten, bis ihnen Christus, das Licht, aufging.

(Jörg Zink auf dem Eschbacher Adventskalender)

 

 

Ich wünsch euch allen einen gesegneten zweiten Advent!
8.12.07 20:42
 

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