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Lebenszeichen

Wegmarkierungen

 

 

 

Erntedank 2007

Danke für diesen guten Morgen,
Danke für das vergang'ne Jahr
Danke, für alles was ich bin -
denn DU sagst dazu JA.

Danke, ich habe lernen dürfen
lernen, und neue Wege gehn,
durfte mich unter Menschen mischen,
nach den Sternen sehn.

Danke, DU schenkst mir heut mein Leben
schenkst es mir neu an jedem Tag
schenkst es, und lässt mich selbst entscheiden,
wie ichs leben mag.

6.10.07 12:35


Eine Kerze für Saddam Hussein. Ich bin sehr verzweifelt, war es schon an dem Abend, als ich die Meldungen über die noch für den nächsten Tag angekündigte Hinrichtung las. Habe für ein Wunder gebetet. Geträumt habe ich, von einem großen Feld, das von langer Hand für diese Hinrichtung vorbereitet wurde - vom Westen. Und  morgens las ich, dass sie es getan haben.

Ich bin immer wieder neu verzweifelt, dass Menschen immer wieder diesen Weg gehen.
Tötung im Namen des Rechts ist für mich das abscheulichste Vergehen gegen die Menschlichkeit überhaupt. Und dass Saddam Hussein selbst dieses Verbrechen zahllose Male begangen hat, ändert dran nicht. Gar nichts.

Diese Kerze ist für Saddam Hussein - und alle, deren Leben so widerlich beendet wurde.


Als ich heute morgen vor einer Kerze saß und an das Geschehen dachte und weinte, habe ich eines ganz sehnsüchtig in mir wahrgenommen: den tiefen Wunsch, die Hoffnung, dass Saddam Hussein jenseits der Schwelle eine Türe findet, an der er nicht verworfen wird - und die ihm geöffnet bleibt, bis er hindurchgehen kann.

Das ersehne ich mir für uns alle.

 

*******************


Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Offenbarung 21, 1-5a
3.1.07 10:54


Gerade in dieser Adventszeit habe ich sehr bewusst versucht, still zu werden und nach innen zu gehen. Dabei hat mich auch der wunderbare Text von Ernesto Cardenal über die Innere Kammer beschäftigt; so habe ich beispielsweise im Gespräch mit meiner Nachbarin versucht, ihr davon zu erzählen; und wie wichtig es sei, den Zugang dazu zu finden – und dass ich sie jeder Gesellschaft vorzöge; dass ich mich darauf freue, Heiligabend allein zu sein. – Aber die Kammer blieb am Heiligen Abend verschlossen – der Heiligabend war verheult, trotz aller inneren Vorbereitung auf das Fest... Was ist da passiert?

Ich glaube, es hat zum Teil sicher auch damit zu tun, dass ich mir nicht mehr klar gemacht habe, WORAUF ich mich eigentlich vorbereite... – denn ich feiere ja nicht die Geburt des Heilandes, unseres Herrn. Andererseits habe ich aber christliche Literatur zur Vorbereitung benutzt – gerne benutzt, und sie hat mir unendlich viel gebracht. Trotzdem gibt es da Differenzen...

Ich glaube, dass ich nicht mehr so isoliert bin, wie ich einmal war, hat auch Nachteile mit sich gebracht...

Ich bin nicht mehr so nah bei mir, sondern werde viel stärker wieder auch durch äußere Vorgaben benutzt – und das ist jetzt das christliche Weihnachtsfest.

Die tiefen Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, habe ich aber jenseits dieses Festes gemacht. Es gab Brücken und Verbindungen – und so habe ich beispielsweise auch immer wieder meine Krippe, bzw. die meiner Großeltern aufgestellt. Sie ist Teil meiner Wurzeln – meiner ganz persönlichen einerseits, und meiner religiösen andererseits.

Aber auch wenn das, was die Kirche feiert, auch meine Wurzeln sind, stehe ich heute doch woanders, bin ich nicht beheimatet in den Glaubensinhalten der Kirche. Wir haben dieselbe Wurzel – aber wir sind verschiedene Wege gegangen, die Kirchenchristen und ich - um es mal so auszudrücken. Es gibt Verbindung, aber es ist nicht das, in dem ich heute lebe.

Da das, was mich hält und trägt, aber keine äußere Struktur hat, ist es leicht passiert, dass ich mich wieder von äußeren Vorgaben vereinnahmen lasse, mich besetzen lasse davon.

Das passt gut zu meinem Ziel für dieses Jahr: mehr Ordnung in mein Leben zu bringen. Vielleicht wächst damit ja so etwas wie eigene Struktur...

Aber noch mal zurück zum verhunzten Heiligabend. Ist/war es vielleicht auch der Wunsch, Schmerz zu vermeiden, der mir im Weg stand? Ist Schmerz vermeiden die Lösung? Oder Schmerz aushalten?

Ich wurde an den Stein in mir erinnert – und daran, dass Heilung für mich auch bedeutet, wieder weich zu werden. Den Stein zu verwandeln /verwandeln zu lassen – und dass Weinen und Schmerz fühlen dann auch ein Stück Heilung sein können.

Ich bin nach Innen gegangen – aber Innen, das bedeutet vielleicht für mich erst mal und immer wieder Schmerz. Und von daher war an diesem verheulten Heiligabend nichts Falsches – es kam mir nur so vor.

Und wie gelingt es mir, meins nicht von Äußerem vernebeln zu lassen? Ganz in die Innerlichkeit, ein Einsiedlerleben führen – bewusst? Oder aber die Innerlichkeit ins äußere Leben tragen – mich dem Schmerz wieder aussetzen?

Verliere ich den Kontakt zu dem Licht, der Kammer, dem Feuer, der großen Energie, wenn ich sie behalten will?

Und finde ich ihn vielleicht wieder, wenn ich mich dem aussetze, was dazu im Widerspruch steht?

Und noch ein anderer Gedanke: Ich bin in den letzten Jahren mit tiefen spirituellen Erfahrungen wirklich verwöhnt worden – so sehr, dass ich eben diesmal zu Weihnachten schon fest damit rechnete. Vielleicht muss ich auch hier so etwas wie Demut lernen... Und vielleicht geht es viel, viel mehr darum, das Erfahrene umzusetzen, glauben zu lernen – als immer neue dieser Erfahrungen zu machen.

Fragen. Erst einmal nur Fragen – die ich in mir bewegen werde. Vielleicht finde ich ja in der nächsten Zeit (Raunächte) noch Hinweise.

*********************************

Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich mein Weihnachten schon hatte, und wie in den letzten Jahren auch, bereits vor dem 24. ...

Als ich neulich schrieb: das Bild mit der Wolke finde ich sehr hilfreich - es packt in ein Bild, was ich auch die ganze Zeit versuche: wenn ich in den inneren endlosen Monolog mit meiner Mutter verfalle, STOP zu sagen - und ihn nicht weiterzuspinnen. Mich daran zu erinnern, dass ich so den Weg nicht finde - und Loszulassen. Und nur darum zu bitten, mir einen neuen Weg zu zeigen. Und mir zu helfen, dass ich nicht wieder einen Wutausbruch bekomme... , dass ich nicht die ewig alten Vorwürfe mache... - weil so nichts weiter geht dachte ich anschließend: ich hab doch in den letzten Tagen etwas ganz anderes versucht als einfach STOP zu sagen... Aber um das zu näher zu beschreiben, muss ich etwas weiter ausholen...

Irgendwann im Dezember war ich nämlich in einem „Why-Not“ Gottesdienst einer freien evangelischen Gemeinde. Ich hab’s ja nicht mit der institutionalisierten Religion – aber ich kenn halt mehrere Leute aus dieser Gemeinde, und nachmittags hatte mir noch einer von ihnen eine Einladung zu diesem speziellen Gottesdienst in den Briefkasten geworfen. Da stand was von Adventsandacht, besinnlich, meditativ, mit vielen , vielen Lichtlein... Und ich dachte mir, gehste einfach mal hin – kannst ja wieder gehen, wenn du dich unwohl fühlst.

Als ich dort ankam, bekam ich am Eingang, wie jeder andere Besucher auch, eine bunte Pappe, mit einem Teelicht drauf. Und auf der Pappe stand etwas geschrieben. Auf meiner stand (denn auf allen stand etwas anderes, wie ich später erfuhr):

Gut hast du es, wenn du deinen Schmerz nicht übergehst, denn du wirst meine heilende Nähe erleben. Matthäus5,4

Jesus, ich öffne dir meine verwundete Seele.

Amen

Irgendwie verrückt – denn ich kann mir keinen passenderen Spruch für mich vorstellen. Und so bewegte mich dieser „Treffer“ sehr...

Gegen Ende der Andacht wurden dann alle Teelichter angezündet – eines am anderen, und der Pastor sagte noch irgendetwas dazu – ich kann mich aber nicht näher an seine Worte erinnern. Nur noch daran, dass er uns als Anregung mit auf den Weg gab, dieses Lichtlein in der Adventszeit immer mal wieder anzuzünden, und die Worte laut zu lesen, das Gebet zu sprechen.

Ich stellte mein Kärtchen – orangenfarben, mit orangenem Teelicht, ein ganz edles, mit goldenem Stern darauf – auf die Ablage an meinem Bett und sah es oft an. Es sah einfach schon wunderschön aus.

Und eines Abends, ein paar Tage vor Weihnachten, machte ich es noch einmal an. Es war dunkel in meinem Zimmer, und nur dieses kleine Licht leuchtete.

Und ich las den Text und versuchte ihn, nachzuvollziehen. Ich suchte den Ort in mir auf, an dem der Schmerz ist – vielmehr ich wollte ihn aufsuchen. Denn es passierte etwas Seltsames: ich konnte ihn nicht finden.

Ich dachte an die Personen, die für mich seit jeher mit Schmerz verbunden sind – nichts. Ich suchte und suchte, doch – ich konnte meinen Schmerz nicht finden.

Da hörte ich auf zu suchen und bleib einfach ganz still sitzen. Und sah in das leuchtende Kerzlein, in dieses warme orange und ließ es ganz tief in mich hinein und nahm einfach nur wahr: da ist kein Schmerz. Weit fühlte sich das an, unendlich weit und warm und wunderschön.

Als ich später einer Genesungsfreundin davon erzählte sagte sie: sie sähe das als einen Vorgeschmack auf die Heilung. Heilung, meinte sie, ist dann, wenn der Schmerz für immer verschwunden ist, du ihn überhaupt nicht mehr findest.

Und als mir dann später der Schmerz wieder zu schaffen machte, besonders am 1. Weihnachtstag (Heiligabend bin ich nicht drauf gekommen...) hab ich einfach versucht, mir dieses Gefühl zurückzuholen, mich zu erinnern und mich darauf zu konzentrieren.

Mir dieses Gefühl zurückzuholen: da ist kein Schmerz.

Um mich nicht vom Schmerz bestimmen zu lassen, sondern von dem, wo ich hingehe: in eine Zukunft ohne Schmerz.

Für mich waren diese Augenblicke von „Ich konnte den Schmerz nicht finden“ nicht nur einfach wunderschöne Momente, sondern auch so etwas wie eine Prophezeiung: einmal wird der Schmerz vorbei sein. Und wenn ich den Blick darauf richte, kann ich aufhören, mich von meiner Vergangenheit bestimmen zu lassen und sie immer neu zu reproduzieren. Sondern nehme ein Stück Zukunft vorweg. Ein Stück Zukunft, dass ich bereits für wenige Momente erleben durfte. Und an dieses Stück Zukunft kann ich mich erinnern, wenn es jetzt zu schwer wird. Um die Gedanken anzuhalten - und so aus der Zukunft heraus zu handeln.

Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass wir wieder lernen, auch aus der Zukunft zu leben. Das ist uns irgendwie etwas verlorengegangen. Wir sind nicht nur unsere Vergangenheit, wir sind auch unsere Zukunft!

Und all das wiederum bedeutet mir nicht zuletzt Weihnachten. Weihnachten ist für mich wie ein Licht aus einer anderen Welt, das in die meine scheint, und mir zeigt/mich ahnen lässt, was einst sein wird. Mich Wirklichkeit ahnen lässt jenseits der Enge, in der ich lebe. Mich ganz andere Strukturen ahnen lässt als die, die heute mein Leben ausmachen. Weihnachten ist Prophezeiung und Vorwegnahme für einen kurzen Moment. Weihnachten taucht mein Leben in ein neues Licht. Das Licht von Weihnachten.


2.1.07 18:50


Verzeihen - Besinnung am Buß- und Bettag

Und wieder war heute das Thema „Verzeihen“ dran
Erst gestern noch ein Satz im Jahreslesebuch, der mir auch noch einmal bedeutete, dass ich verzeihen nur kann, wenn ich den Blick auf die HM richte:


„Alles, sogar das Komplizierteste, wird einfach und klar, wenn man es von den andern Menschen löst und Gott zur Beurteilung vorlegt. (Tolstoi)

Den Blick von dem anderen lösen und ihn auf die HM richten: das bedeutet LOSZULASSEN. Ich muss den Täter erst mal loslassen, um ihm verzeihen zu können!

Und dann war das Thema heute ganz intensiv dran in dem Büchlein, dass ich gerade durcharbeite, und auf das ich mich heute dadurch, dass Buß- und Bettag war, noch intensiver einließ.

Dort stand u.a. ( etwas anders, da ich „Jesus“ und „Gott“ überall durch HM ersetzt habe):


Versöhnung fällt nicht leicht! Selten nur ist sie Thema der Psychologie – vielleicht weil Psychologen spüren, dass hier die menschliche Kunst allein recht hilflos bleibt. Da gibt es ja eine Wunde in mir, die schmerzt. Kann ich überhaupt ehrlich verzeihen, solange diese Wunde nicht geheilt ist?

Kann die HM uns helfen, aus dem Teufelskreis des verletzt und unversöhnt Seins herauszukommen? Wenn ich im Gebet meine seelischen Wunden ihr hinhalte, wenn ich auch meine Gefühle (auch die des Zorns und der Rachegelüste) vor ihr ausspreche, wie das in manchen Psalmen geschieht – dann erlebe ich oft, wie ich innerlich geheilt werde und über meine Wut, mein verletzt Sein hinauswachse. Ich erfahre das Wirken von Gnade! Bereit werden zur Versöhnung ist stets viel mehr ein Werk der Höheren Macht in mir als ein eigener Willensakt. ...
Es ist eine Erfahrung von Erlösung!

...

Impuls für den Tag:
Bei welchen Menschen „kommt mir die Galle hoch“, wenn ich sie nur sehe? Ich achte auf meine Gefühle: Welche Verletzungen stecken dahinter? Ob es mir wohl gelingt, im Gebet darüber zu sprechen ...
Fürs erste genügt diese grundsätzliche Bereitschaft, mich auf den inneren Prozess der Versöhnung einzulassen und die „HM an mir arbeiten zu lassen“. Alles weitere ist ein Werk der Gnade.

Gerade der letzte Satz klingt doch wie aus dem 12-Schritte-Programm! Es genügt die Bereitschaft, die HM machen zu lassen...
Aber als ich da näher hinfühlte, merkte ich, dass selbst die nicht da ist. Ich sperre mich. Ich will gar nicht verzeihen. Ich bin böse.

Dann beschloss ich, mich auf den Vorschlag des Gesprächs mit meiner HM einzulassen.


DU
Ich bin unversöhnt mit meiner Mutter.
Ich bin voller Zorn darüber, dass sie sich weigert, sich anzusehen, welche Wunden sie geschlagen hat; dass sie einfach davonläuft, leugnet und therapeutische Hilfe nur dazu benutzt, mit ihren Schuldgefühlen fertig zu werden. Schuldgefühle, ja, denn Schuld gibt es ja keine.

Nein, ich will den Schuldbegriff nicht wieder einführen. Ich muss nicht von Schuld sprechen, von Schuldfähigkeit. Ich kann es auch Wahrheit und Wahrheitsfähigkeit nennen. Das ist sicher sinnvoller.

Ja, ich sehe auch, welch hohen Preis sie zahlt für das Leugnen der Wahrheit: mit der Wahrheit ist ihre ganze Geschichte verschwunden und ihre Identität – und so leidet sie jetzt an schweren Persönlichkeitsstörungen.

Dass sie lieber diesen Preis zahlt zeigt mir, wie unendlich schwer es für sie sein muss, geradezu unmöglich, sich der Wahrheit zu stellen Und trotzdem ... ich habe Zorn.

Manchmal frage ich mich, ob ich ihr überhaupt einen Gefallen getan habe, indem ich sie nicht konfrontiert habe. Ob ich ihr die Wahrheit nicht schuldig bin...
Aber ich hatte immer das Gefühl, sie würde daran zerbrechen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass aus einer Konfrontation etwas Gutes wachsen könne..
Oder war ich nur feige?

Und selbst, wenn sie sich nicht erinnert ... ich bin so böse, dass sie nicht teilt. Dass keiner sich kümmert..
Ich bin fassungslos darüber, dass eine sehr mobile Familie ihre psychisch kranke Tochter in 13 Jahren nicht einmal besucht, ihr Hilfe anbietet. Als ich noch mobil war, bin ich regelmäßig nach Hause gefahren. Kann Gleichgültigkeit deutlicher gezeigt werden?

Darüber habe ich mal mit ihr gesprochen. Sie findet das alles völlig normal. Sie kann eben wegen ihrer psychischen Situation nicht (akzeptiert) – und meine Brüder, nun, was solle es schon nützen (!!!), wenn jemand vorbeikäme?
Mein Gott, was ist sie krank, muss sie krank sein...

Gestern habe ich eine Karte von ihr aus Polen bekommen. Sie kann reisen.

Ja, ich habe alles, was ich brauche. Was mir fehlt, ist Sicherheit, Sicherheit, dass im Notfall jemand da ist, der mich unterstützt. Der mir mit mehr als einem Almosen unter die Arme greift, wenn’s drauf ankommt.

Ja, es gibt Menschen in der Welt, da gibt es weit und breit niemanden der helfen könnte. Aber in meiner Familie ist alles da! Es wird nur nicht geteilt.

Ja, mit derselben Berechtigung mögen das Menschen sagen, die hungern: es ist doch alles da, es wird nur nicht geteilt.

Ja, ich lehne unsere Lebensart hier in dieser Gesellschaft ab. Und doch schreie ich nach Teilhabe, nach teilen, nach „auch ein Stück vom Kuchen“ wollen. Wie passt das zusammen? Ist das nicht sehr kindlich?

Nein, ich leide keine materielle Not. Aber es tut weh, wenn sie gedankenlos immer von Sachen erzählt, die ich mir nie leisten könnte. Und dass es nicht mal zum 40. Geburtstag eine Geldspende gab ... – es ist doch klar, wie viele Wünsche in einem Sozialhilfeleben auflaufen... – ein Sozialhilfeleben aufgrund meiner psychischen Situation. – Ganz betroffen war sie, als ich ihr das sagte – aber geändert hat sich nichts. Mir tut diese Gleichgültigkeit weh.

Ich finde keine Ebene, auf der ich ihr begegnen kann.

Ich finde sie nicht.

Aber ich will versuchen, loszulassen und darauf zu vertrauen, dass du mir einen Weg zeigst.

Ich will jetzt nicht mehr grübeln – ich habe dir alles gesagt.

Nimm du – ich bin bereit, mich führen zu lassen.

Ich danke dir, dass ich loslassen darf.

DANKE


Und dann halte ich auch schon wieder inne, stutze: an wen richte ich das Gesagte eigentlich? Confused
Es fällt mir nicht schwer, mich auf ein solches Gespräch einzulassen, mich an ein imaginäres DU zu richten - aber wenn es eben nur ein imaginäres DU ist, an das ich meine Hoffnung richte - ist das nicht etwas wenig?

Das Bild, dass ich im dritten Schritt gefunden habe, trifft es für mich immer noch ganz gut:


Ich glaube nämlich ganz bestimmt, dass es so etwas wie eine Ordnung gibt, ein Zusammenspiel allen Seins, das „funktioniert“; dass so wunderbar funktioniert wie beispielsweise das Zusammenspiel eines Orchesters. Wir alle sind das Orchester – und die Höhere Macht, an die jeder glaubt, der Dirigent. Und dieses Zusammenspiel, wenn ich mich daran orientiere, ist so, dass ich darin ganz und gar sei kann, auf eine Art, die für mich 100% richtig ist. Wenn ich auf den „großen Dirigenten“ höre, habe ich alles, was ich brauche – alles, was ich wirklich brauche. Und so gesehen ist es dann doch der dritte Schritt – denn wenn ich alles habe, was ich brauche, ist ja für mich gesorgt.
Der dritte Schritt bedeutet also für mich, mich der großen Ordnung anheim zu geben.


Und ich glaube auch, dass diese Ordnung nicht einfach zufällig entsteht. Ich glaube, dass es so etwas wie einen Weltgeist, eine Weltseele gibt, die alles zusammenhält, die in allem ist.

Ich merke, wie ich aufatme. Wie ich denke, das gibt einen Sinn...
Ich möchte meinen Platz in dem großen Orchester finden, und ich vertraue darauf, dass es eine geistige Kraft gibt, die mir dabei helfen kann.
Und weil ich das glaube, kann ich loslassen.

Ich stolpere eben manchmal über meine eigenen Aussagen, weil sie wie an eine Person gerichtet klingen - aber ich glaube nicht an eine Person, die alles richtet. Und ich weiß nicht, ob es Sinn macht, dieser Kraft Danke zu sagen. Was aber Sinn macht, ist dankbar zu sein. Und ich kann dankbar sein, weil ich diese Last loslassen kann.

P.S.: „Natürlich“ hab ich dieses Gefühl so nicht halten können, aber es hat sich gut anfühlt; so frei, so weit, so offen, in dem Moment, wo ich loslasse ... viel besser, als das zugesperrt sein...

 

27.11.06 14:19


Hell und Dunkel

Habe heute folgende Übung (zum Thema Herbst) entdeckt und gemacht:

Setzen oder legen Sie sich entspannt hin und stellen Sie sich eine altmodische Waage mit zwei Waagschalen vor.

Zunächst sind die Waagschalen im Gleichgewicht; aber allmählich legt sich auf die eine mehr und mehr Dunkel: das Kürzerwerden der Tage, Angst, Zweifel, alles Grausame, das in der Welt geschieht...

Und nun stellen Sie sich vor, wie Sie das Dunkel aufwiegen durch Helles, das Sie in die andere Schale legen: Hoffnung und Zuversicht, Liebe, Licht, das auch im Dunkeln da ist, Erlebnisse von Bewahrtwerden, Führung und Hilfe...

Beachten Sie, wie sich mit jedem Hellen, das sie dazu legen, die Schale mit dem Dunklen ein wenig hebt, ein wenig an Gewicht verliert, und überlassen Sie sich den Gedanken und Empfindungen, die das in Ihnen auslöst.


Ich war ganz schnell drin - da war die Waage - und dann kam schon Schlag auf Schlag, all die Schläge, die sich durch mein Leben ziehen... und immer noch was drauf und nochwas und irgendwann war die Waagschale mit dem Dunklen so voll und schwer und lag auf dem Boden, dass ich dachte, das ist unmöglich, die wieder hochzukriegen.... Shock1

Aber ich fing an, konzentrierte mich auf die andere Waagschale und fing an, sie zu füllen. Mit allem, was sich jemals gut angefühlt hatte... Und mir wurde immer leichter und leichter und leichter, und immer heller und froher ums Herz... - und ich fühlte, dass es nicht wahr ist, dass das Dunkle überwiegt....

Aber dann passierte etwas Sonderbares, also, noch etwas Sonderbares...: ich versuchte, nachdem ich zuletzt nur noch in meinem Gefühl, losgelöst von dem Bild mit der Waage war, mir vorzustellen, wie beide Schalen im Gleichgewicht waren, oder wie sogar die helle schwerer würde als die dunkle - und das ging nicht. Weil ich das Gefühl hatte, dass es keinen Sinn macht... dass die dunkle Schale eben auf den Boden gehört, auf dem Boden sein muss, damit die andere, die helle Schale, in den Himmel reicht.
All das Dunkle, vielleicht hat es mich so dem Himmel näher gebracht...

 

Aber noch viel mehr verstand ich, als ich das Bild malte:

ich hatte die obigen Gedanken in mein Glückstagebuch geschrieben und malte dann als Deko sozusagen ein Bild dazu: die Waage eben, mit der Schale voll Dunkel auf dem Boden, und der Schale voll Hellem in den Himmel reichend... - aber ich malte keine Waage, sondern eher eine Wippe; und ich begann mit dem Punkt in der Mitte an dem alles aufliegt. Und da wurde mir klar, dass das eigentliche Zentrum des Geschehens weder die dunkle, noch die helle Schale ist - es ist die Mitte der Waage/der Wippe - es ist der Punkt, wo hell und dunkel ausbalanciert wird.
Es ist vielleicht gar nicht so wichtig, was in die Schalen gepackt wird, wichtig ist, was hier geschieht: hier ist das Eigentliche am Werk, hier lebt das Geheimnis, hier wächst etwas...
Ich glaube, auf dieses Zentrum kommt es an.

7.10.06 14:01


ErnteDank

Laub1 Laub1

Ich merke, dass es mir gut tut, mir die Feste des Kirchenjahres "zurück" zu holen, sie für mich mit Sinn zu füllen. ERNTEDANK ist zusammen mit dem 1. Oktober, an dem ich feire, dass ich wieder einen Sommer geschafft habe, ganz wichtig geworden.
Diesmal hab ich es mir für die "Besinnliche Stunde" echt schön gemacht: ganz viel Herbst in Schalen und Väschen, buntes Laub und alles, was die Bäume sonst noch jetzt abwerfen: Bucheckern, Kastanien, Nüsse, Eicheln, Kletten, Propeller, Beeren in allen Rot- und Orangetönen. Und unzählige Teelichter in Herbstfarben... schöööön Laub1

In einem Buch finde ich folgende Zeilen:


"Wir bringen dir unsere Gaben: unser Versprechen und unsere Bereitschaft, des Nächsten wegen unsere persönlichen Wünsche einzuschränken; unseren Willen, mehr Zeit für die Arbeit in der Gemeinde und für die Gemeinschaft aufzubringen; unsere Hoffnung, anderen zuhören zu können und trotz Enttäuschungen immer wieder neue Wege zu suchen..."


Ich fühle Erleichterung - solche Gaben habe ich auch zu bringen - wenn auch nicht im Hinblick auf Gemeinde. Aber in hinblick auf meine Nächsten, auf meine Familie, Freunde und Bekannten, Nachbarschaft, Forum.

Aber ist das gemeint?
Heißt ErnteDank nicht für das zu danken, was wir bekommen haben?

Laub1 Ursprünglich wurde ErnteDank doch ganz konkret für die Ernte gedankt - die das Leben für die nächste Zeit, für den Winter sicherte. Diese Ernte bringen wir nicht ein, das bringt unsere Lebensweise mit sich. Und doch sichern die Früchte der Ernte anderer unseren Lebensunterhalt. Auch meinen als Erwerbsunfähige.
Wieso ist es so schwer, dafür Dankbarkeit zu empfinden?
Ich habe allen Grund dankbar zu sein...
Dankbar, dass ich etwas abbekomme von der Ernte, die andere einbringen.
Dankbar auch, dass irgendwann einmal Menschen sich dafür eingesetzt und gekämpft haben, dass Menschen, die nicht allein für ihren Lebensunterhalt sorgen können, versorgt werden. Es war ein langer Weg dahin. -

Ich zehre von dem, was andere lange zuvor taten. Ich bin eingebunden in eine lange Geschichte. Diese Geschichte ist noch lange nicht zuende.

Möge ich das meine dazu tun, das sie weiter geht.
Ich bringe meine Bereitschaft - möge das Leben sie segnen.

Laub1
2.10.06 18:05


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