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Lebenszeichen

Texte zu Advent und Weihnachten

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre - Teil 1


Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –
dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken
bis an den Rand dich denken und dich besitzen
(nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.


RAINER MARIA RILKE

»Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.« Kennen wir diese Sehnsucht, die R.M.Rilke in seinem Gedicht ausdrückt? Geschrieben wurden diese Verse am Ende des 19. Jahrhunderts. Am Anfang jenes Jahrhunderts gab es noch Gesetze gegen das Peitschenknallen, gegen Pferdehufe auf Kopfsteinpflaster, ja sogar gegen die Geräusche, die hohe Absätze von Damenschuhen verursachen. Aber im Laufe desselben Jahrhunderts begann die technische Revolution mit Eisenbahnen, Autos, Flugzeugen und anderen Maschinen einen gewaltigen Lärmteppich über die Welt auszurollen. Er ist inzwischen immer dichter und breiter geworden.

So allgegenwärtig ist dieser Lärmteppich, dass wir seine Existenz meist gar nicht mehr wahrnehmen. Dennoch ist er da und wirksam. Denn die Ausblendung des Lärms aus unserem Bewusstsein ist ein rein psychologischer Effekt. Faktisch bewirkt der Lärm dennoch einen erhöhtem Adrenalinspiegel, dadurch Bluthochdruck, also eine ständige Alarmbereitschaft des Körpers. Der Lärm putscht auf, wie das Dröhnen in der Diskothek. Lärm macht aggressiv, wie das Kriegsgeschrei vor der Schlacht. Und von daher hat der Lärm auch seinen Namen: Vom Alarm, das vom italienischen »all’arme« abgeleitet ist »zu den Waffen«. Das Jahrhundert, das den meisten Lärm produziert hat, hat auch die meisten Kriegstoten zu verantworten.
Lärm und Aggressivität liegen so nah beieinander wie Lärm und Angst. Sei es die Angst, die der Lärm z.B. des Donnerrollens in uns auslöst, oder sei es der Lärm, den jemand macht, um anderen Angst einzujagen. Deshalb ist der Lärm auch stets ein Genosse der macht und der Unterdrückung, zum Beispiel im Niederschreien des Gegners oder im Übertönen des anderen, bis er überhört wird und nichts mehr sagen kann. Wer Lärm machen kann mit seiner Stimme, mit seinen Maschinen (Lautsprechern) oder Kanonen, kann andere zum Schweigen bringen, mundtot machen.



Franz Kamphaus
12.12.07 16:38





 
 
 
10.12.07 22:05



Was die Nacht hell macht

Einen jungen Mann hörte ich: „Ich suche nach Erleuchtung. Aber die Welt ist so brutal. Ich habe so viel Angst, dass ich nur überleben kann, wenn ich die Augen zumache. Woher soll da die Erleuchtung kommen? Lichter fallen mir ein, wenn ich das Wort ‚Weihnachten’ höre. Aber die Angst bleibt.“


Er sagt mit anderen Worten: Lichter fallen mir ein. Millionen Glühbirnen, die in Girlanden über die Straße hängen und Energie verzehren. Millionen Kerzen, die in Häusern angezündet werden. Millionen Sterne aus Goldpapier, die glitzern, wenn das Licht der Glühbirnen auf sie trifft, Flitter- und Glitzerzeug. Nichts als Lichter fallen mir ein. Vor allem fällt mir ein, dass es trotzdem in mir selber finster ist. Und in den anderen Leuten auch. Licht! Das wäre etwas. Aber wer bringt mir schon Licht?


Wir könnten versuchen (‚anhand dieses Adventskalender’ steht da eigentlich noch, denn auf diesem steht das Zitat – aber ich denke, es macht auch so Sinn), es anzunehmen, dass es in uns selbst dunkel ist auch bei allen Lichtkaskaden von außen. Und nicht dorthin ausweichen, wo die Beleuchtung ist, sondern die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und das Wort der Bibel hören: „Der Mensch, der im Finstern geht, sieht ein Licht.“ Und dann mitten in der lichtlosen Wirklichkeit unseres eigenen Herzens ein kleines Licht wahrnehmen, von einem Tag zum anderen deutlicher. Wie einen Stern, der fernab unserer Welt seine Kreise zieht. Und dann dem nachgehen, was, kaum sichtbar, vor uns herleuchtet, wie es die Weisen aus dem Morgenland taten, bis ihnen Christus, das Licht, aufging.

(Jörg Zink auf dem Eschbacher Adventskalender)

 

 

Ich wünsch euch allen einen gesegneten zweiten Advent!
8.12.07 20:42


Heut wenigstens ein schönes Gedicht, eins der bekannten, aber eben auch wunderschön... - hätt gern selber ein bild dazu gebastelt, aber das schaff ich dieses jahr nicht...

 

 

 

Advent


Es treibt der Wind im Winterwalde

Die Flockenherde wie ein Hirt,

Und manche Tanne ahnt, wie balde

Sie fromm und lichterheilig wird,

Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen

Streckt sie die Zweige hin - bereit,

Und wehrt dem Wind und wächst entgegen

Der einen Nacht der Herrlichkeit.


Rainer Maria Rilke

 

 


8.12.07 16:43



 

Advent –

das bedeutet nicht nur passives Erwarten des Lichts, des Heils,

sondern sich innerlich bereit zu machen, dem was kommen will, Raum zu geben.

Dem Jesuskind die Krippe im eigenen Herzen bereiten,

so heißt das in den Worten alter, tiefer Frömmigkeit.

Und die Krippe wird bereitet indem ich in mich gehe und meinen Sinn ändere,

dass ich einsehe, dass ich mit all den verzweifelten Bemühungen meines Ichs, so gut sie auch gemeint sein mögen, letztlich nichts erreiche.

Wenn ich diese Ausweglosigkeit tief innerlich empfinde,
habe ich die Voraussetzung dafür geschaffen, dass mir das, was ich durch all meine Anstrengung nicht erreichen konnte; geschenkt wird.

Die Krippe bereite ich, in dem ich alle Hoffnung auf mein Ich aufgebe, Demut übe, still werde, horchend, schweigend, mich ganz und gar dem göttlichen Willen anvertraue, das Verstricktsein in Zeit und Raum aufgehoben erlebe:

Denn im Hier und Jetzt erfahre ich die Ewigkeit – wie das Aufwachen aus einem Alptraum hinein in Sinn und Geborgenheit.

Dagmar Müller: Mein Buch fürs ganze Jahr




6.12.07 12:52


Barbarasegen

Ein Zweig steht in der Vase vor mir
kahl und knorrig
leblos
Auf Hoffnung hin habe ich ihn in mein Zimmer
geholt
Warte
warte auf Zeichen von Leben
Lange Zeit nichts
immer noch nichts
Nichts

Dann plötzlich
eines Tages
unverhofft
eigentlich schon aufgegeben
weiß nicht wie und wann
werden die Knospen schwer
brechen auf
schieben lichtgrüne Blättchen heraus
So also doch
war Leben
immer schon da


Möge auch unser Warten gesegnet sein
unser Warten
auf Leben
verborgen
in den kahlen Ästen des Alltags
aufknospendes
aufbrechendes Leben
in den stummen Stunden
unserer Tage
Möge unser Warten gesegnet sein


Brigitte Enzner Probst



 

3.12.07 22:42



 

 

 

 


 

Das erste Licht

 

Wenn´s draußen stürmt und trübe ist,
zieht drinnen ein, ein kleines Licht.
Es leuchtet bis ins Herz hinein,
bringt Wärme uns mit seinem Schein.

Es kündigt an die Weihnachtszeit,
es sagt uns "haltet euch bereit,
der Herr hat seinen Sohn gesandt,
dass Freude sei im ganzen Land."

Drum schaut voll Dank in dieses Licht,
auch wenn es draußen finster ist.
Öffnet ihm eure Herzen weit,
mit ihm beginnt die Freudenzeit.

Nun strahlt auch schon das zweite Licht,
wirft seinen Glanz auf dein Gesicht,
schon bald ist es dann wie im Traum,
es leuchtet hell der Lichterbaum.

von Christina Telker

 


 

 

 


2.12.07 14:27


Advent vielleicht


Das wäre schön

auf etwas hoffen können

was das leben lichter macht und leichter das herz

das gebrochene ängstliche

und dann den mut haben

die türen weit aufzumachen

und die ohren und die augen und auch den mund

nicht länger verschließen.

Das wäre schön

wenn am horizont schiffe auftauchten

eins nach dem anderen

beladen mit hoffnungsbrot bis an den rand

das mehr wird immer mehr

durch teilen

das wäre schön

wenn GOTT nicht aufhörte zu träumen in uns

vom vollen leben einer zukunft für alle

und wenn dann der himmel aufreißen würde

ganz plötzlich

neue wege sich auftun hinter dem horizont

das wäre schön

 

carola moosbach


1.12.07 00:07


Das Sterben in der Natur hat sich vollzogen. Das Dunkle, die Totenstille draußen, weckt die Sehnsucht nach Licht und Leben. Und wir finden beides in dem Maße, in dem wir unsere Aufmerksamkeit abwenden von dem, was uns und die Welt um uns herum gefangen hält in Schmerz und Ungerechtigkeit, in dem wir auf die suche gehen nach dem, was die Welt im Innersten – liebend! – zusammenhält. Dann kann uns etwas aufgehen von einer Kraft, die unsere Welt – die große und die ganz persönliche – zu unserem besten ordnet-, wenn wir es nur zulassen.

Es hängt von meiner Entscheidung ab, ob ich das hinabsteigen der Seele zu beginn der dunklen Jahreszeit als „stiefmütterliche“ Behandlung erlebe oder als Einkehr in den Schoß der „Göttin“, um mich mütterlich zu nähren, beraten, stärken und heilen zu lassen und erneuert wiederzukehren. Was auf dem Weg hinab stirbt ist mein Ich-Panzer, der mich für diese Segnungen unzugänglich sein ließ.

Aus: Dagmar Müller, Mein Buch fürs ganze Jahr

Für den/die, der/die mag, noch eine Übung... (auch aus dem Buch)

Es ist still geworden in der Natur. Kein Vogelgesang mehr, nur noch verhaltenes Zwitschern. Auch Nebel und Schnee dämpfen die Geräusche.

Lassen Sie es still werden in sich und um sich. Entspannen Sie sich. Malen Sie sich dann folgende Bilder weiter aus:
Sie gehen in einen tiefen Wald hinein, weiter und immer weiter. Tief im Dunkel des Waldes taucht ein kleines Haus auf, aus dem Ihnen eine freundliche alte Frau (es kann auch ein Mann sein oder ein reines Phantasiewesen, wenn ihnen das lieber ist) entgegen kommt. Bitten sie sie um eine Geschenk. Öffnen sie sich für das, was sie Ihnen gibt, was es auch sei. Danken Sie dafür und kehren Sie von Ihrer Phantasiereise zurück. Nehmen Sie das Geschenk mit in ihren Alltag.

 

Herzliche Grüße euch allen, Schneeflocke

27.11.07 18:59


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