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Lebenszeichen

Texte zu Advent und Weihnachten

Heuteist Andreastag, und auf diesen folgte früher der Andreasmond (monat) = Dezember, und damit der Advent. Mit dem Andreastag spätestens beginnt für mich die Reise nach innen. Weihnachten ist für mich ohne diese Zeit vorher nicht zu denken ... Die zeit vorher ist die zeit die ich brauche, um empfänglich zu werden. Um hellhörig und offen zu werden, für das , was kommt. Für das, was in mir geboren werden soll...

Die Weihnachtszeit ist für mich immer die Zeit, in der alljährlich ein neuer Zyklus im Leben beginnt; die zeit, in der ein Same aufgeht und zu wachsen beginnt. Als Mensch bin ich ja ein Teil auch der Natur, und dieser Zyklus lebt auch in mir, bzw ich in ihm. Und dann sehe ich mich noch als Teil einer viel größeren Neuordnung - einer Neuordnung der Schöpfung , von der ich ein Teil bin und zu deren Wachsen ich hoffentlich meinen Teil beitrage.

Und in diesem Sinn kann ich symbolisch auch das christliche Weihnachtsfest mitfeiern, auch wenn der christliche Glaube nicht der meine ist: die Geburt des ganz Neuen in unserer Welt. Seit ich weihnachten und Advent auf diese Art begehe, hat sich noch jedes Jahr weihnachten "ereignet". Und ich spüre schon jetzt Freude in mir.

Ich möchte allen hier eine Zweig gesegnete Adventszeit  Zweig wünschen. Euch allen die Erfahrung tiefer Freude, die in dem "ganz anderen" gründet.

Schneeflocke 

30.11.08 14:02


Bild von http://www.pauliland.ch/

 

Einem Stern folgen

 

Sie kommen von weit her,

aus dunklem Leben,

heften ihre Schritte an einen Stern.

Ungewiss, wohin er sie bringt.

Ein Zug von Menschen folgt ihnen,

lichthungrig auf der Suche wie sie.

Gemeinsam kommen sie an.

Nicht in einem Irgendwo,

sondern im Haus des Lichts.

Und sie fallen nieder.

Und werden leicht.

Und werden hell.

Und über die Maßen froh.

Sie gehen zurück

In ihr Leben

Und leuchten es aus

Mit Sternenaugen

Und Herzen aus Licht.

 

Hildegard Nies

 

5.1.08 21:36


Ich sagte zu dem Engel,

der an der Pforte des neuen Jahres stand:

Gib mir ein Licht,

damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit

entgegengehen kann!

Aber er antwortete:

Gehe nur hin in die Dunkelheit

und lege deine Hand in die Hand Gottes!

Das ist besser als ein Licht

und sicherer als ein bekannter Weg!

 

aus China

 

31.12.07 19:18


Nachdem myblog heute mal wieder auch für mich nicht erreichbar war, also erst jetzt einen Weihnachtssegen...

Mehr geht leider nicht, da ich gesundheitlich etwa angeschlagen bin und ich gut auf mich aufpassen muss. Alles, alles Liebe euch allen, die ihr hier lest und vielen dank für euren Besuch,

Schneeflocke

 

Gesegnete Weihnacht!


Segen sei mit dir,

der Segen strahlenden Lichtes,

Licht um dich her

Und innen in deinem Herzen.

Aus deinen Augen strahle

Gesegnetes Licht

Wie zwei Kerzen

In den Fenstern deines Hauses,

die den Wanderer locken,

Schutz zu suchen dort drinnen

Vor der stürmischen Nacht.

unbekannt

25.12.07 15:01


 

 

Für alle die heute abend traurig sind, eine Geschichte...

 

WERNER REISER
Vom Engel, der am Weihnachtsabend weinte


Als die Menge der himmlischen Heerscharen schon unterwegs zur Geburt des Kindes war, blieb ein einsamer Engel noch eine Weile in der Höhe zurück. Das sollte ihn teuer zu stehen kommen.

Er fühlte sich in der himmlischen Einsamkeit wohl und zog in großen Bewegungen dahin. Dabei gelangte er zum „Palast der tiefsten Geheimnisse“. Er spürte es erst, als er in der Nähe war und ein unbekannter Sog ihn immer mehr gefangen nahm. Da blickte er auf und sah den Palast. Er war unbewacht und stand weit offen. Alle seine Wächter waren auf dem Weg zur Erde, um dort das schönste Geheimnis der Menschenwerdung mit eigenen Augen anzusehen. Was gab es da noch weiteres zu bewachen und zu verbergen, wenn es doch jetzt aller Welt sichtbar werden sollte.
Das Geheimnis aus der Höhe begann jetzt eben in der Tiefe zu atmen und dazusein. So war der Palast unbewacht und schien leer. Dennoch ging eine seltsame Kraft von ihm aus und ließ dem einsamen Engel keine Ruhe. Er fühlte sich immer näher hinzugezogen und konnte der Kraft nicht mehr ausweichen. Zwar haben auch Engel ihre Befehle und fühlen sich mit ihnen eins. Bei ihnen gibt es keine Kluft zwischen Müssen und Können wie bei uns. Aber für dieses Mal siegte doch die Neugierde und es gelüstete ihn, in alles hineinzublicken.

Er trat in den offenen Palast und folgte den spiralförmig angelegten Gängen, die ihn immer tiefer nach innen führten. An ihren Wänden sah er Bilder und Zeichen, die ihn an vieles erinnerten, was er schon gehört hatte. Anderes wieder war ihm unbekannt und undurchschaubar. Da waren die Urbilder der Schöpfung, die Gesetze und Kräfte alles Lebendigen, Töne, Farben und Formen, da waren die vielen Grundrisse der Geschichte in der Natur und bei den Menschen. Sie standen nicht erstarrt da sondern bewegten sich unaufhörlich, als ob gerade jetzt wieder Neues entstünde. Weiter innen flossen die Gestalten des menschlichen Zusammenlebens immer neu ineinander und alles strömte Lust und Leben aus. Dann kamen die Gänge des göttlichen Rufes, der durch alle Welt hin bis zu Abraham und Mose hallte. Dort schwebten die Hoffnungen der Menschen, die Ahnungen der Seher und die Weissagungen der Propheten.
Und dann, nach einer letzten Krümmung des Wegs, stand er vor dem Innersten, vor der Herzkammer der göttlichen Geheimnisse. Gott selber konnte er nicht sehen. Denn Er ist mehr als die Summe seiner Geheimnisse. Aber was er sah, durchfuhr ihn bis zuinnerst. Da waren drei Bilder ineinander verwoben. Er sah die Geburt eines Kindes, als ob es jetzt geschähe. Und er sah den Tod eines Mannes und der Mann hatte dieselben Züge wie das Kind. Und zwischen beiden stand wie eine Gestalt mit zwei Armen die Liebe. Aber kaum hatte er die drei Bilder wahrgenommen, flossen sie ineinander über. Und jetzt sah er den Tod des Kindes und die Geburt des Mannes und das schreckliche Gesicht der Liebe. Er schrie entsetzt auf und fiel zu Boden.
Als er wieder zu sich kam, taumelte er durch die Gänge zurück. Überall stieß er an die Wände und ihm war, als ob ihm von allen Seiten nur Bilder von Schrecken und Tod entgegenströmten. Die Weissagungen tönten dumpf und drohend, die Hoffnungen zerfielen, die Rufe verhallten, die Gemeinschaften zerbrachen, Menschen und Völker welkten dahin, die Natur litt zum Tode und die Schöpfung barst auseinander. Ihm war, dass auch in seinem eigenen Innern etwas zerbrochen war. Sosehr er sich auch bemühte das ursprüngliche Bild der Liebe zurückzurufen, es gelang ihm nicht. Es kam gegen die andern Eindrücke nicht auf.

Sogar als er wieder im Freien war wurde es nicht besser. Auch der Himmel schien ihm gestört zu sein, und die Einsamkeit zermalte ihn fast. Da durchfuhr es ihn plötzlich: „Ich muss es dem Kind sagen. Ich muss es warnen und beschützen.“ So schnell er konnte, fuhr er zur Erde nieder. Je näher er ihr kam, desto stärker wurde der Gesang der lobenden Heerscharen. Er drängte sich keuchend durch den Jubel hindurch und es gelang ihm, bis in die Nähe des Kindes vorzustoßen. Da lag es, wie er es eben gesehen hatte und über seinem Gesicht stand lächelnd die Liebe. Er versuchte mitzulächeln aber er vermochte es nicht. Und während er noch schaute, verwandelte sich das Bild und er sah das Ende. „Ich komme zu spät“, flüsterte er erschrocken und eine abgrundtiefe Traurigkeit befiel ihn. So stand er und starrte bis ihn ein anderer Engel fragte: „Warum weinst du?“ Er konnte nicht antworten. Da sagte sein himmlischer Kamerad: „Du hast gewiss Trauriges erlebt. Schau doch auf das Kind in der Krippe und du wirst froh werden!“ Der Engel antwortete: „Ich sehe kein Kind in der Krippe. Ich sehe einen Mann im Sarg.“ Da schüttelte der fröhliche Engel den Kopf und wandte sich singend ab.

Andere traten herzu und blickten strahlend auf das Kind. Der traurige Engel aber stand da und weinte. Er merkte nicht, dass seine Tränen auf das Kind niedertropften. Ein anderer, auch ein fröhlicher Engel, sah es, unterbrach sein Lied und sagte halb freundlich, halb unwillig: „Wir alle haben unsere Sorgen mit den Menschen. Ich verstehe dich. Aber du darfst doch dieses Kind nicht mit dem Kummer der menschlichen Not taufen. Freue dich jetzt mit uns. Zum Trauern ist noch Zeit genug. Singe mit uns, du hast eine so schöne tiefe Stimme!“ Doch der Engel schaute ihn nur traurig an und blieb stumm. Da antwortete der andere: „Ah, du willst nicht? Dann gib andern wenigstens deinen Platz an der Krippe frei. Wir wollen uns jetzt freuen. Du verdirbst uns nur das Fest.“ Und sie drängten ihn fröhlich aber langsam nach hinten. So wurde es inmitten der Menge der himmlischen Heerscharen einsam um ihn her. Er ließ sich niedersinken und blieb betrübt sitzen. Der Jubel flutete an ihm vorüber.
Endlich nahte sich ein hoher Engel und nahm ihn unter seine Fittiche. Er fragte ihn: „Warum freust du dich nicht? Das ist doch die schönste Stunde aller Ewigkeiten und Zeiten. Hast du das Kind nicht gesehen?“ Er flüsterte: „Ich habe es gesehen. Aber ich habe auch den Tod des Mannes gesehen. Wir stehen vor der schrecklichsten Stunde aller Zeiten.“

Da erhob sich der hohe Engel zu seiner ganzen Höhe und sagte: „ Du warst im `Palast der tiefsten Geheimnisse´ und hast geschaut, was nur die erlesenen Auserwählten sehen dürfen. Du bist ein Wissender geworden. Wissende aber müssen leiden. Je größer das Wissen, desto stärker der Schmerz. Das kann dir niemand abnehmen. Das wirst du von jetzt an zu tragen haben, solange Liebe sterben muss, um Leben zu geben.“
„Wird man mich strafen?“ fragte der traurige Engel scheu. Der hohe Engel antwortete: „Der Himmel straft nicht. Das solltest du doch wissen. Er gibt nur neue Aufgaben. Höre: du wirst in dieser Nacht überall Menschen aufsuchen, die an sich und an der Welt leiden. Nicht alles Leid ist vorbestimmt, wie du meinst. Geh und suche, wo du Leid abwenden kannst. Du wirst die Menschen ermutigen auszuharren. Du wirst ihre Herzen öffnen für neue Zuversicht und ihre Hände stärken zu neuen Taten. Du wirst ihnen zeigen, dass die Liebe größer ist als das Leben und stärker als der Tod. Ich sende dich. Geh!“

Da erhob sich der Engel und ging. Wieder zog er einsam seines Weges. Aber er blieb nicht lange allein. Schon bald stürzte das Elend der Welt auf ihn ein. Denn weil sich alle Himmlischen um das Kind in der Krippe scharten, waren Lebensräume der Menschen völlig engellos geworden. Und so stand der einzige himmlische Bote auf einmal der unverhüllten Not gegenüber, wie er sie noch nie erlebt hatte.
Er vergaß alles, was in ihm war und fing an zu helfen, zu heilen und zu trösten. Er linderte Schmerzen und zog das Gift aus den Wunden der Seelen und der Leiber. Er versenkte in Schlaf, wer vor Kummer nicht schlafen konnte. Er ermutigte, wer verzweifeln wollte. Er tröstete Trauernde, die nicht vergessen konnten und mischte den Weinenden ein zaghaftes Lächeln unter die Tränen. Er zeigte den suchenden Gedanken neue Lösungen und gab den verwirrten Trieben neue Kanäle. Er entwirrte den Knäuel der Gefühle, die um Hass und Rache kreisten und gab ihnen eine versöhnliche Richtung. Aber es gab viel zu tun und er wurde vor Mühe grau im Gesicht.
Als er sah, dass das Elend kein Ende nahm und er fast nicht weiterkam, begann er die Menschen selber zu beleben und füreinander einzuspannen. Er gab den Satten böse Träume, dass sie erwachten und über die Hungernden erschraken. Er beunruhigte die Friedlichen, dass sie auf einmal den Streit um sich her sahen und aufstanden, um Frieden zu stiften. Er erregte die Sanften, dass sie das Unrecht entdeckten und um Abhilfe kämpften. Er schüttelte die Gleichgültigen, dass ihnen die Augen aufgingen und sie die Not derer sahen, die neben ihnen lebten. Die Menschen wussten kaum, was ihnen geschah und sagten zueinander: „Was für eine seltsame Nacht, in der die Unruhigen ruhig und die Ruhigen unruhig werden, in der Verzweifelte getröstet und die Getrösteten aufgeweckt werden. Es ist etwas Neues unter uns.“ Der Engel arbeitete bis zum Morgengrauen. Dann flüsterte er: „Ich werde noch manche Nacht kommen und trösten.“ Und er verschwand. Er wusste noch nicht, dass er während der Nacht seinen Glanz verloren hatte. Von der Not, von der vielen Arbeit und den vielen Berührungen der Menschen war er dunkel geworden.
Als er zum Kind zurückkam war es um die Krippe still geworden. Die Engel hatten sich müde gejubelt und sich zurückgezogen oder schliefen. Auch die Mutter schlief und lächelte und weinte leise im Schlaf. Nur das Kind war wach und schaute dem dunklen Engel entgegen. Er kniete neben dem Kind nieder und erzählte ihm, was er diese Nacht bei den Menschen gesehen hatte. Und er erzählte ihm, dass die Liebe mehr als das Wissen und größer als das Leben und stärker als der Tod. Und das Kind hörte zu.

Seither darf jeder, der am Weihnachtsabend von einem traurigen und dunklen Engel gestreift wird, wissen, dass er ihn mit dem Elend der Welt und mit dem Kind in der Krippe verbindet.

 
 

24.12.07 17:59


 
 
Ich wünsche dir vier Kerzen
 
 

 
 
Eine Kerze für den Frieden,
die wir brauchen,
weil der Streit nicht ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten
eine Kerze für den Mut.

Eine Kerze für die Hoffnung
gegen Angst und Herzensnot,
wenn Verzagtheit unsern Glauben
heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe
als die wichtigste der Welt:
eine Kerze für die Liebe
voller Demut aufgestellt,
dass ihr Leuchten den Verirrten
für den Rückweg ja nicht fehlt,
weil am Ende nur die Liebe
für den Menschen wirklich zählt.


Elli Michler
22.12.07 20:39


Meine Kammer der Ruhe

Es gibt in der Schöpfung eine «Ruhe» die von Gott kommt ... Es gibt in der Welt, es gibt in meinem Dasein eine «Ruhe», eine innere Kammer, die «Ruhe» ist; sie hat zutiefst mit Gott zu tun...

Was ist diese innerste Kammer in der Welt, die «Ruhe» heißt und ganz und gar von Gott ist? Sie ist da – nicht als mein Werk; sie ist da, auch wenn ich sie nicht wahrnehme. Aber sie wartet darauf, dass ich mich in sie einlasse..

Es gibt also in unserem Dasein, in meinem Dasein einen Ort der Ruhe, die Ruhe des lebendigen Gottes. Sie ist der Ort des tiefsten Vertrauendürfens.

Johannes Bours
21.12.07 19:49





Erst das schweigen

tut das Ohr auf

für den inneren ton

in allen Dingen.


Romano Guardini

20.12.07 12:56


Von Anselm Grün gibt es auch einen sehr schönen Text zum Thema "Stille", den ich euch nicht vorenthalten möchte..

 

Stille  (Anselm Grün)  Teil 1

Der Advent wird die stille Zeit genannt. Aber viele erleben ihn eher als hektisch und laut. Da hetzen die Leute durch die Geschäfte, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und doch braucht es die stille, damit Gott bei uns eintreten kann. Ohne stille werden wir Gottes Kommen nicht wahrnehmen, werden wir sein klopfen an der Türe unseres Herzens überhören.

Das deutsche Wort „still“ kommt von „stellen, unbeweglich stehen“. Es braucht also das innehalten, um stille zu werden. Ich muss aufhören, herumzulaufen und zu hetzen. Ich muss stehen bleiben, bei mir bleiben. Wenn ich still halte, dann werde ich zuerst mir selbst begegnen. Da kann ich meine Unruhe nicht mehr nach außen verlagern. Ich werde sie in mir wahrnehmen. Nur, wer seiner Unruhe standhält, kommt zur Stille. „Still“ hat auch mit „stillen“ zu tun. Die Mutter stillt das Kind, bringt das vor Hunger schreiende Kind zur ruhe. So muss ich meine eigene Seele, die innerlich laut schreit, beruhigen. Wenn ich nicht mehr außen herumlaufe, dann meldet sich der Hunger meines Herzens. Dann schreit mein herz, weil es nicht zufrieden gestellt ist. Es braucht dann Nahrung. Ich muss mich mütterlich meinem herzen zuwenden, damit es Ruhe gibt. Doch viele haben Angst, sich auf das lärmende Herz einzulassen. Sie lenken es lieber ab, indem sie von Ort zu Ort hasten. Aber ihr Herz schreit weiter. Es lässt sich nicht ablenken. Es braucht Zuwendung. Es will gestillt werden.

„Nur zu Gott hin wird meine Seele still“, heißt es in Psalm 62.2. Wir singen diesen Psalm immer in der Nachthore (Komplet) des Mittwochs. Er berührt mich jedes Mal. Ich kann mein Herz nicht selbst beruhigen. Wenn ich mich dem innersten Schrei meines Herzens zuwende, dann spüre ich, dass es Hunger hat nach etwas ganz anderem, als ich ihm zu geben vermag. Es sehnt sich nach Gott. Nur in Gott kommt es wirklich zur ruhe. Gönne dir in der Adventszeit Zeiten der Stille, um darin Ausschau zu halten nach Gott. Und wenn sich in der Stille zuerst der innere Lärm erhebt, dann halte ihn einfach aus. Bleib stehen. Halte dein schreiendes Herz Gott hin, damit er es stillt. Dann wird die stille dir zur Wohltat, dann kannst du deine Seele im Schweigen baden. Du hältst es aus bei dir. Du kannst es genießen, einfach bei dir und vor Gott zu sein. In der stille will niemand etwas von dir. Du kannst einfach so sein.



17.12.07 12:38


Wenn es nur einmal so ganz stille wäre - Teil 2

 

Der Lärm von innen

Der Wunsch Rilkes »Wenn es nur einmal so ganz stille wäre« richtet sich jedoch nicht nur auf die äußere Stille. Der Dichter fährt fort: »Wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so verhinderte am Wachen«. Vielleicht ist der innere Lärm, der Nachhall der zahlreichen Sinneseindrücke, denen wir heute ausgesetzt sind, noch viel krankmachender und gefährlicher als der äußere Lärm. Vielen fällt es schon schwer, den äußeren Geräuschpegel abzuschalten. Wenn der Straßenlärm erlischt, müssen Fernseher, Radio und Walkman für die entsprechende Geräuschkulisse sorgen. Aber nur wenigen gelingt es, innerlich abzuschalten. Die Gedanken sind so bedrängend, so laut und wirr, dass die äußere Stille als bedrohlich erlebt wird, denn sie macht den inneren Lärm offenbar. Es trifft wohl auf die meisten von uns zu, was der Philosoph BLAISE PASCAL zu Beginn der Neuzeit formulierte: »Wenn ich mich zuweilen damit beschäftigt habe, die vielgestaltige Unrast der Menschen zu betrachten, die Gefahren und Mühsale, denen sie sich aussetzten: am Hofe, im Kriege, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft böse Unternehmungen entstehen, habe ich entdeckt, dass das ganze unheil der Menschen aus einer einzigen Ursache kommt: nicht ruhig in einem Zimmer bleiben zu können.«

Äußerer Lärm, innerer Lärm – sie machen uns nervös und aggressiv, sie besetzen unsere Gedanken und unser Fühlen. Sie bringen uns ganz durcheinander, so dass wir gar nicht mehr zu uns selbst kommen. »Diabolos« heißt der Durcheinanderbringer auf griechisch. Höllenlärm sagen wir, wenn es richtig laut wird. Angst, Krieg und Unterdrückung – das ist die Hölle, das macht höllischen Lärm.

Welcher Gegensatz dazu die Botschaft des Weihnachtsfestes:

»Als tiefes Schweigen das All umfing
Und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr,
vom Himmel herab.«
WEISH 18,14f

Gott kommt im Schweigen zur Welt, in der Mitte der Nacht, wenn es ganz still geworden ist – das bekennen wir in der Liturgie des Weihnachtsfestes. Er kommt nicht mit lauten Fanfaren wie die Herrscher dieser Welt. Er verschafft sich nicht Gehör mit Ausrufern und Lautsprechern. Das Wort Gottes ergeht in der Stille.

Bereits der Prophet Elija musste diese Erfahrung machen, als er auf dem Weg zum Horeb in der Wüste Gott begegnete. Gott war weder im Sturm noch im Erdbeben oder im Feuer, in den mächtigen Naturerscheinungen, die wir gleich mit dem Allmächtigen in Beziehung bringen. Der Prophet vernahm die Stimme Gottes vielmehr in einem sanften, leisen Säuseln des Windes.

Die Geburt Jesu in Bethlehem ist ein solches Ereignis. Gott kommt zur Welt ganz leise, unscheinbar, als kleines Kind. Nur wahrnehmbar für die, die nicht Ohren und Kopf voll haben mit Lärm und Unruhe. Die Hirten sind Menschen, die schweigen und in die Stille der Nacht hinaushören können. Sie sind die ersten, die wahrnehmen, wer dort die Erde betreten hat. »Man vermag dem Wort nicht besser als mit Schweigen und Hören zu dienen«, sagt der Mystiker TAULER. Für das Unfassbare ist Schweigen das beredteste Zeugnis.
 
»Stille Nacht – Heilige Nacht«, singen wir. Ob wir selbst stille werden können in diesen tagen? So wie die Hirten, wachend und lauschend. MEISTER ECKHART, ein anderer  Mystiker, betrachtet das Stillewerden als die Grundvoraussetzung dafür, dass Gott in uns zu Wort kommen, dass er in unserer Seele geboren werden kann. Ob es uns gelingt, diese Ruhe zu finden? Keine tote Ruhe, keine Friedhofsruhe, sondern eine Ruhe, die auf das göttliche Wort wartet und sich von ihm ansprechen lässt. Eine »himmlische Ruhe«.


Franz Kamphaus


13.12.07 18:40


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