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Lebenszeichen

Alltägliche Hoffnungsgeschichten


Als der Obdachlose, den ich hinter den Glaskontainern fand, verstanden hatte, dass ich fest entschlossen war, nicht locker zu lassen, bis wir wissen, wo er heute nacht schläft (is nämlich nachts arg kalt schon...) sagte er: naja, ich will ehrlich sein, ich schlaf nicht draußen. Ich schlaf inner Schule. Da ist ein Hausmeister, der mich nachts einschließt; er stellt mir auch Wasser und was zu essen hin und hat mir gezeigt, wo ich duschen kann. Nur morgens, wenn er kommt, muss ich fertig sein und meinen Platz sauber gemacht haben. Danke, lieber Hausmeister – es ist schön, dass es dich gibt

24.10.07 12:47



Und noch ne andre Geschichte von neulich fällt mir... In einem bekannten Diskounter der mit L anfängt und mit l aufhört, war jemand beim Klauen erwischt worden. Zwei vor mir an der Kasse war es... – ein abgerissen aussehender Jugendlicher, fremdländisch – er sollte seinen Rucksack leeren... Angst in seinen Augen. Er weigerte sich. Die Frau rief nach dem Geschäftsführer. Der auch kam. Mir wurde ganz anders – ich hasse solche Szenen – wusste aber auch nicht, was ich tun sollte. Der junge Mann wich zurück und ging langsam aus dem Laden. Der Geschäftsführer hielt ihn nicht auf – tat nichts. Die Kassiererin war fassungslos und schimpfte laut – der wäre schon öfter aufgefallen und da wäre doch ein Kunde gewesen, der es gesehen hätte... Der Geschäftsführer, ein ebenfalls recht junger Mann, meinte nur leise: dann eben beim nächsten Mal. Ich hätt ihn knutschen können.


25.10.07 14:02


 

Alltagsheldin

Als ich heute im Supermarkt war, wurde ich Zeugin einer unangenehmen Szene. Die grobe Stimme eines Mannes durchbrach heftig das Stimmengewirr um mich herum – sehr laut und sehr heftig schrie er, jetzt sei es genug! Eine furchteinflössende Tonlage, mich an Gewalt erinnernd. Suchend mache ich den Mann aus, und dass sein Toben sich an eine Frau richtet, mit der er offenbar gemeinsam einkauft. Beide schon älter, vielleicht um die siebzig.

Stille auf einmal, auch andere Augen suchen und richten sich auf das Paar.
Die Frau schickt ein versöhnliches Lächeln an die Umstehenden, atmet tief durch und sieht nach vorne. Ich betrachte sie mitleidig.

Der Mann fängt an, die Sachen aus dem Wagen aufs Band zu legen, seine Frau steht und versucht, so scheint es mir, einfach nur gerade zu stehen.
Da poltert er erneut los. „Meinst du die Sachen legen sich von alleine aufs Band? Steht da einfach dumm rum...“ Sie geht zu ihm und hilft ihm, die Sachen aufs Band zu legen
Mir fängt die Szene an, sehr nahe zu gehen. Was muss das für ein Leben sein neben diesem Mann...

Als die Sachen auf dem Band liegen, geht sie wieder zurück, an den Kopf des Wagens, und auf diesem Stück Weg treffen sich unsere Augen noch einmal. Sie lächelt und zwinkert mir zu – und ich sehe, dass ihre Augen und ihr Gesicht voller Wärme sind. Dann wendet sie sich ab und sieht zur Seite. Einen Moment denke ich, sie kämpft mit den Tränen, aber ich bin mir nicht sicher.

Dann sehe ich, wie sie mit auf einmal sehr kindlichen Augen die Regale mit Weihnachtssüßigkeiten, die an der Kasse aufgebaut sind, betrachtet und noch etwas herausgreift und auf das Band legt. „Du hast doch schon! Es reicht jetzt“ und weiter poltert der Mann...
Ich merke, wie mir die Tränen in die Augen steigen und ein Schluchzen in meiner Kehle wartet, das ich es freilasse... Aber auch ich bewahre Fassung.
Ich sehe, wie sie sich nicht weiter beeindrucken lässt und die ausgesuchte Ware bleibt im Wagen. In mir der Wunsch, sie einfach zu umarmen... wenigstens zu berühren. Als ich bezahle und in ihre Richtung gehe, stehen die zwei so, dass ich sie nicht berühren kann, ohne dass der Mann es merkt – (und ich weiß, dass sie später dafür bezahlen müsste...) – aber genau, als ich auf ihrer Höhe bin, wechseln sie die Stellung und ich kann ihr unbemerkt die Hand auf die Schulter legen und sie streicheln. Wir sehen uns an und Wärme fließt von einem zum anderen. Wir zwinkern uns noch einmal zu, und dann gehe ich.
Draußen und auch später immer wieder in Gedanken bei dieser Frau und ihrem Leben.

Eine Hoffnungsgeschichte? Ist das nicht vielmehr eine Elendsgeschichte?

Ich will euch sagen, warum es mir trotz allem eine Hoffnungsgeschichte ist.
Diese eine Szene vermittelt uns eine Ahnung von dem Leben dieser Frau. Von vielen Szenen, die sie erlebt hat, von einer Grundstimmung. Einer düsteren Grundstimmung.
Und doch war ihr Gesicht voller Wärme! Und doch hatte sie sich etwas ganz Kindliches bewahrt. Und ihr Gesicht war frei von Angst!!!
Nein, das Leben, dass sie gelebt hat, so schwer es gewesen sein mag, hat sie nicht gebrochen, nicht zerstört. Und das macht mir Hoffnung und macht mich froh.

Ich sehe andere Gesichter.. Gesichter von Menschen, die weniger Leid tragen mussten... Gesichter, denen fehlt, was diese Frau sich bewahrt hat.

Und meine kleine Geste sollte der Frau vor allem eines sagen: ich sehe dich. Ich sehe deine Tapferkeit, sehe, wie wundervoll du bist. – Vielleicht braucht sie das gar nicht – das Gesehen Werden. Aber ich habe es gebraucht, ihr das zu zeigen.

 
 
9.12.06 17:11


Da war...

... dieser Handwerker. Ich ging zu xxx, ein kleiner Tapetenmarkt, um einen Deckenhaken für die Küchenlampe zu kaufen. xxx kümmerte sich nicht um mich- ich glaube, er ist ärgerlich, weil ich nicht mehr so oft bei ihm kaufe, aber er hat mir öfters Mist angedreht. "Der Mann" führte gerade irgendwelche Malerarbeiten aus. Er fragte nach einer Weile, ob er helfen könne. Ich sagte, was ich suchte, xxx mischte sich ein und sagte, das führten sie nicht mehr. Nur noch Gardinenhaken. Nun denn, ich sah mich, weil ich nun einmal da war, noch etwas um, bei den Teppichresten und Bodenbelägen.
Da kam der Handwerker nochmal und fragte, was ich denn genau brauchte und wieviel und so... Ich erklärte, es ginge vor allem um die Küchenlampe, die würde ich so gerne aufhängen. Alles im Gehen erzählend, denn er winkte mich mit, dahin, wo er sein Werkzeug stehen hatte, fing an zu wühlen und hielt mir dann einen Haken hin. Noch ein bißchen hin-und herberaten, Größe, Tips, falls es so nicht paßt,
und glücklich strahlend verließ ich, nachdem ich mich freudig bedankt hatte, mit zwei Haken und einem Dübel aus der Kiste des Handwerkers den Laden. Er hatte mindestens genauso gestrahlt wie ich, und einen Moment lang war ich richtig verliebt. Da war eben nicht nur Höflichkeit, sondern Freundlichkeit und Freude, die ansteckten, die Lebenslust ausmachten.
13.9.06 12:07


Da war...

... der Straßenbettler, der mir, als ich ihm erzähle, dass ich heute nichts für ihn habe und traurig hinzufüge, dass ich nichtmal mehr was für den büchertrödel hab, 5 Euro schenkt ...
12.9.06 20:58


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