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Lebenszeichen

Gedichte

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So sei auch gepriesen,
mein Herr,
für unsere Schwester
die Traurigkeit!
Still
Geht sie durch jeden unserer Tage,
heilt nicht Wunden,
trocknet nicht Tränen,
stillt nicht den Wehlaut,
die Schreie der Angst,
der bittern Verzweiflung.

Doch manchmal
in sternloser Nacht
fällt
ihr von Blut und Tränen
schweres Gewand,
und da steht sie
hellen Gesichts
als der strahlendste
Engel des Lichts.


Clarita Schmid

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31.7.08 18:16


Vor einem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.

Der See und die Libelle.
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.

Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne.
Was es auch immer sei,

Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in unsre Träume
In einer finstren Nacht.

Ich mach ein Lied aus Sille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter.
Und so vergeh ich nicht.

Eva Strittmatter

26.9.06 18:47


• Das Wunder der Perle •

Man erzählt sich die Geschichte
einer Perle hier am Strand.
Sie entstand in jener Muschel
durch ein grobes Körnchen Sand.

Es drang ein in ihre Mitte
und die Muschel wehrte sich.
Doch sie musste damit leben
und sie klagte: Warum ich?

Eine Perle wächst ins Leben,
sie entsteht durch tiefen Schmerz.
Und die Muschel glaubt zu sterben,
Wut und Trauer füllt ihr Herz.

Sie beginnt es zu ertragen,
zu ummanteln dieses Korn.
Nach und nach verstummt ihr Klagen
und ihr ohnmächtiger Zorn.

Viele Jahre sind vergangen.
Tag für Tag am Meeresgrund
schließt und öffnet sich die Muschel.
Jetzt fühlt sie sich kerngesund.

Ihre Perle wird geboren.
Glitzert nun im Sonnenlicht.
Alle Schmerzen sind vergessen,
jenes Wunder jedoch nicht.

Jede Perle lehrt uns beten,
hilft vertrauen und verstehn,
denn der Schöpfer aller Dinge
hat auch deinen Schmerz gesehn.

Nun wächst Glaube, Hoffnung, Liebe,
sogar Freude tief im Leid.
So entsteht auch deine Perle,
sein Geschenk für alle Zeit.

Sören Kahl
12.9.06 22:13


Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen

Und dass es regnet, hagelt, stürmt und schneit.

Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit

Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.

Dass Amseln flöten und Bienen summen,

dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.

Dass rote Luftballons ins Blaue steigen,

dass Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht

Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.

Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter

Gefällt mir wohl da steht ein Sinn dahinter,

auch wenn die Neunmalklugen ihn nicht sehn,

man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn.

Ich freu mich, das ist des Lebens Sinn,

ich freu mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter,

die Deele blitzt, das Feuer ist geschürt,

an solchen Tagen erklettert man die Leiter,

die von der Erde in den Himmel führt.

Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,

weil er sich selber liebt, den Nächsten lieben.

Ich freu mich , dass ich mich an das Schöne

und an das Wunder niemals ganz gewöhne.

Dass alles so erstaunlich bleibt und neu.

Ich freu mich, dass ich,

dass ich mich freu.

Mascha Kaleko

 

Wenn Sie mögen, können Sie den Text eine Weile täglich lesen und darüber nachdenken oder meditieren. Es könnte sein, dass er eine verändernde Kraft entfaltet.

 


16.6.06 18:13


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