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Lebenszeichen

Texte

Meine Augen
haben das

Heil gesehen

Wer
wie Simeon und Hanna
lebenslange Hoffnung wäre
und das Licht
in der Dunkelheit ahnte
und die Heilsworte
in den Tagängsten spürte
und den großen Gott
in dem kleinen Menschen umarmte –

der würde
wie Simeon und Hanna
an der Grenze des alten Lebens
in weites, neues Land blicken,
mit Augen begabt für das Heil.

Wer so wäre,
der würde die Richtung
auch durch verhangene Himmel
nicht verlieren
und müsste
selten weinen.


Vgl. Lukas 2,29-31

Aus: Schätze aus dem Stundenbuch
28.1.08 16:43


Die Schneeflocke – ein Wunderwerk

Immer von der Frage nach dem Dasein Gottes verfolgt, sprang ich aus dem Bett und ging in die Kurgalerie, um eine der Schneeflocken einzufangen. Auf einer kleinen Untertasse sammelte ich ein paar frische Flocken. Und da, angesichts der Vollkommenheit jeder einzelnen, angesichts dieser Harmonie und dieser Verschiedenheit, hatte ich den Gedanken an einen Künstler. Diese Welt war nicht die Frucht des Chaos. Hinter jeder dieser Schneeflocken ahnte ich eine Vernunft, einen unermesslich großen Künstler. Mit der so vollkommenen wie zerbrechlichen Schönheit dieses Kristalls kam mir die Gewissheit einer über die Maßen schöpferischen Schönheit und Vernunft. Wenn der Schnee so beschaffen ist, wie sollte es dann Gott nicht geben? Einen Gott, der groß genug ist, um eine vergängliche Schneeflocke mit seiner Gegenwart zu erfüllen? So sah die erste Berührung, der erste Gedanke an das Dasein Gottes aus.

Jaques Loew

8.1.08 18:07


Gottes Auftrag – und die Wirklichkeit

Dein Auftrag heißt –

Der Welt eine Seele geben;

Die Menschen lieben;

Den Frieden fördern;

Den Unfrieden fernhalten;

Gott lobpreisen.


Sympathisch sind uns jene,

die uns so nehmen, wie wir sind.

Willkommen sind uns jene,

die uns mögen.

Einer Meinung sind wir mit denen,

die uns anerkennen. –

Lauter heimliche Egoismen;

Lobhudeleien zu unseren Gunsten.


Adalbert Ludwig Balling

6.12.07 14:53



Engel auf der Schwelle

 

auf der Schwelle

zwischen Nacht und Tag

zwischen Ja und Nein

zwischen gestern und morgen

 

Schwellenstunde

 

lebst du

Hüter des Augenblicks

hier und jetzt

 

du wachst

dass ich nicht falle

in Verletzung

Versuchung

Vermeidung

 

Dein Licht

lehrt mich

blind vertrauen

Heinrich Walter


16.11.07 13:01



Grund-Erfahrungen

Winterstille

umfängt Wasser und Land.

Natur sammelt Kraft

aus der Ruhe.

Betrachte, vertiefe dich

geduldig,

einfühlend,

in das, was da ist.

Sich spiegelnd

offenbart es

geheimnisvoll

unauslotbare Tiefen.

Aus: In jedem Augenblick ist Tiefe.

Geistlicher Übungsweg zum Advent

Seelsorgeamt Freiburg

Das ist der Eingangstext zur ersten Übungswoche. Vieles spricht er an in mir...

Er erinnert mich an das Jahr, in dem ich "zu Grunde ging" - und das "Mädchen, ganz in seinen Kummer vertieft" fand. War es eine Sackgasse?

Merke, dass ich im Moment ganz andere Assziationen habe... dass ich denke, der Grund ist nicht im Rückzug zu finden. Der Grund liegt gar nicht in mir...

Grund erfahre ich, wenn ich in Beziehung stehe. Ich bin getragen..

Mein Grund ist das, was mich trägt.

Das, was mich w i r k l i c h trägt.

 

 

Er erinnert mich aber auch an diese Zeilen, die ich vor Jahren in großer seelischer Not schrieb:

Versunkenes Land,
unter tobenden Wassern verborgen,
bringt unter der Narrenkappe
neues Leben hervor,
treibt Blüten,
sendet einen Boten
der den Spiegel durchbricht,
dass einst werde
eine neue Welt.

Dass meine Seele zugepflastert ist und in meinen Beziehungen und meinem Leben nicht sein kann.. - aber Rettung letztlich nur von da kommen kann. Und all mein Nicht-funktieren, inclusive meiner Schwäche, darin begründet ist.

Und damit schließt sich irgendwie der Kreis - denn diese Zeilen schrieb ich in dem Jahr, dass ich dem "Mädchen, ganz in seinen Kummer vertieft" widmete. 

Spannend... dasselbe Thema - aber doch anders. es hat sich etwas verändert... 

10.11.07 19:21


Fenster zum Irrtum

 

Es geschah in der Zeit der langen Nächte und eisigen Winde: Eines Morgens erblühte im Garten vor meinem Haus die Gardenie, und die kalte Luft sättigte sich mit ihrem Duft, und am selben Tag erblühte der Pflaumenbaum und erwachten die Schildkröten.

Es war ein Irrtum, und er dauerte nicht lange. Doch dank des Irrtums konnten Gardenie, Pflaumenbaum und Schildkröten glauben, der Winter sei irgendwann zu Ende. Und ich auch.

Eduardo Galeano

21.10.07 22:24


Grüß Gott!

Grüß Gott!“ Die Verkäuferin im heimatlichen Bremer Bäckerladen blickt mich irritiert bis mitleidig an. Selbstbewusst schaue ich zurück. Vor acht Jahren spielte sich die Szene mit umgekehrten Vorzeichen ab. „Moin Moin“ warf ich lässig in München der Bäckersfrau entgegen. Ihre Augen fragten anklagend, woher ich die Dreistigkeit nehmen würde, so fremdsprachig zu grüßen. Ich teilte das Schicksal mit den vielen „Zuagroastn“ in Bayern.

Inzwischen bekenn ich, ich kann nicht anders: Dieses „Grüß Gott“ ist mir mit den Jahren ans Herz gewachsen. In diesem punkt habe ich mich gern bajuwarisieren lassen. Auch wenn mir das „R“ noch immer nicht so charmant über die Zunge rollen will wie den einheimischen. Auch wenn ich unter meinen norddeutschen Landsleuten als verbaler Verräter gelten sollte. Kann es eine unaufdringlichere Alltagsfrömmigkeit, kann es einen schöneren und sinnvolleren Gruß geben als „Grüß Gott“?

„... wenn ich ihn seh!“: Diese vermeintlich originelle Entgegnung entlockt mir nicht mal mehr ein müdes Lächeln, genauso wenig wie: „... hoffentlich nicht bald“. Denn „Grüß Gott“ – das ist keine Aufforderung, sondern die Kurzform von „Es grüßt Dich Gott“. Noch mehr habe ich gelernt: „Grüßen“ bedeutet ursprünglich auch „segnen“. Mit jeder Begrüßung segnet man sein gegenüber, die Bäckersfrau und den Postbeamten, den Passanten und die Geschäftspartnerin, die Kollegin und den Kontrahenten, die eigenen Kinder wie die Eltern. Jeder Begegnung, sei sie vertraut oder fremd, flüchtig oder intensiv – steht ein Segenswort voran: Gott grüßt Dich, Gott segnet Dich.

Nur beim Abschied, da bleibe ich meinen Wurzeln treu. Da müssen die Bayern ein herbes, als preußisch verschrienes „Tschüss“ ertragen. Bisweilen gebe ich mich der Fantasie hin, das sich dieses Abschiedswort auch im Süden einbürgert. Und überlege, wie ich den Menschen meiner Wahlheimat am schlauesten erklären kann, dass „Tschüss“ in Sachen beiläufiger Frömmigkeit das „Grüß Gott“ gewissermaßen sogar übertrumpft. Ist es doch aus dem französischen Gruß „A Dieu“ entstanden. Was wiederum nichts anderes bedeutet als „Gott befohlen“.

Uwe Birnbaum in Publik-Forum 11, 2007

9.10.07 18:19


 

Der innerste Raum

Ernesto Cardenal

Alle Menschen nennen eine innere Kammer ihr eigen. Im Innern jedes menschlichen Wesens gibt es einen Raum, einen ganz persönlichen Bereich, zu dem nur Gott Zutritt hat. Aber die meisten Menschen ignorieren das Vorhandensein dieses innersten Raumes, und darum ist ihr Herz leer und ohne Liebe. Denn die menschliche Liebe, nicht einmal die allerheftigste, dringt jemals in diesen Bereich vor. Gott ist es, der draußen steht und darauf wartet, eingelassen zu werden. » Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an ... «, heißt es in der Apokalypse.

Alle Menschen hören im innersten ihres Seins diesen Ruf. Es ist die klagende Stimme, die Nietzsche in seinem Herzen zu hören glaubte und die ihn mit Angst und Schmerz erfüllte. Es ist die Stimme im Hohen Lied der Liebe: » Öffne mir, meine Schwester, meine Gattin, meine Taube, meine Unbefleckte. Mein Haupt ist bedeckt vom Tau und meine Haare vom Reif der Nacht.« Aber die Geliebte antwortet von ihrem Lager: »Ich habe meine Tunika schon abgelegt. Wie sollte ich mich noch einmal kleiden? Meine Füße habe ich schon gewaschen, wie sie noch einmal schmutzig machen?«

Die meisten Menschen hören diese schmerzerfüllte Stimme in der Nacht und ein Klopfen an der Tür. Darum ist ihr Herz voller Trauer. Wir suchen das Glück außerhalb unserer selbst, anstatt der Stimme in unserem Innern zu lauschen. Vielleicht wissen wir, dass wir uns nach innen wenden sollten, und tun es nicht, weil wir auch wissen, dass wir vorher durch den Kampf der Lossagung von allen Dingen und sogar der Lossagung von uns selbst hindurch müssten. Gott ruft uns in unserem tiefsten Sein, so tief, dass wir denken könnten, er wäre außerhalb unserer Seele. Er wohnt aber tiefer als unser Gewissen und unsere Träume.

Wir hassen das Alleinsein. Im Zug, im Wartezimmer oder wo wir auch sind, fürchten wir uns vor dem Alleinsein mit uns selbst, ohne ein Buch, ohne eine Zeitschrift, ohne etwas zu sehen, zu tun, oder zu hören. Und währenddessen wartet unser einziger Begleiter, unsere einzige Liebe vor der Tür unseres Herzens.

Der Mensch wurde für die Liebe geschaffen, einzig geschaffen, um seinen Schöpfer zu lieben. Und alle Zeit, die er nicht dieser Liebe widmet, ist vertane und vergeudete Zeit.

Die Liebe ist das einzige Gesetz, dass das Weltall regiert. Sie ist das Gesetz, dass die Sonne und die Sterne bewegt, wie DANTE sagt, weil sie das Gesetz der Kohäsion ist, das alle Dinge zusammenfügt. Die Materie, aus der das Universum gemacht ist, ist Liebe. Jeder Körper im Universum übt eine Schwerkraft auf alle anderen Körper aus. Die Erde zieht alle Dinge an, und diese Dinge ziehen sich untereinander wieder an. Die Erde zieht den Mond an, und die Sonne übt eine Schwerkraft auf die Erde und den Mond und alle Planeten aus. Und alle Sterne ziehen wiederum die Sonne und die Planeten an und die Erde, mit allem, was auf ihr ist. Jedes Partikel der Materie im Universum zieht alle anderen Partikel der Materie an. Sogar von zwei Körpern in einem absoluten Vakuum, ohne irgendeine Verbindung zwischen sich, wissen wir, dass sie sich intensiv anziehen. Liebe heißt Zusammensein. Und die Liebe ist unsere einzige Freude. Jede Seele, die Gott erschafft, erschafft er verliebt in sich. Das war die unendliche Unruhe im Herzen Augustinus’, bis er endlich verstand, für wen sein Herz schlug und wen er liebte.

Gott ist dieses innerste Gefühl der Einsamkeit in uns und das Wissen, dass es einen Gefährten gibt, der uns von Geburt an begleitet.

Und er ist tief innen in unserer Seele. Dort, wo die Träume wohnen, im Dunkel unseres Unterbewusstseins, in den Tiefen der Persönlichkeit, in diesem intimsten Bereich, der sich keinem mitteilt. An den Quellen der Träume, der Mythen und der Liebe: dort ist der Raum, in dem Gott Wohnung nehmen möchte. Wenn dieser Raum leer steht, dann ist der Mensch von Unruhe, Angst und Überdruss bewohnt. Dann helfen ihm weder Geld, noch Besitz, noch alle Schätze der Erde, aus seinem leeren Herzen weht der eisige Wind der Einsamkeit. Und dann kann es geschehen, dass die unterdrückte Seele, so lange der Liebkosung Gottes beraubt, nachts wach wird (vielleicht nach einem Abend voller Vergnügen und Genuss) und erschrocken ist über ihre eigene Leere.

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3.1.07 14:00


 
Ernte 

Und wo ist die Ernte? Was bring ich ein am Ende meiner Tage?

Meine Arbeit hat ihren Ertrag gebracht, gewiss -

aber ich rede nicht von Leistung...

Ernte ist anders. Ernte wird nicht gemacht.

Sie wächst, sie gedeiht, sie reift - und wird eingebracht.

Sonne, und Regen des Himmels schaffen sie.

Meine Ernte ist also nicht, was ich meinen Kindern vererbe, 

sondern das, was aus mir selbst geworden ist in der langen Zeit.

Nur mich selbst werde ich mitnehmen auf dem letzten Weg.

Eben das aber, was ich selbst geworden bin, sehe ich nicht.

Es wächst sozusagen hinter meinem Rücken -

wie auf alten Bildern oft hinter dem Rücken eines Menschen

ein Zweig oder ein Baum steh
t.
Jörg Zink
                                        

   
1.10.06 00:17


Was ist ein Wunder?
Es gibt vielerlei Definitionen: Etwas, was gegen die Naturgesetze geht, Fürbitten in Augenblicken tiefster Krise, Dinge, die vom wissenschaftlichen Standpunklt aus unmöglich sind, usw.
Ich habe meine eigene Definition:
Ein Wunder ist das, was unser Herz mit Frieden erfüllt. Manchmal zeigt es sich als Heilung, als ein erfüllter Wunsch, wie auch immer - das Ergebnis ist, dass wir, wenn ein Wunder geschieht, eine tiefe Dankbarkeit für die Gnade empfinden, die Gott uns gewährt hat.
(...)
An diesem Punkt begann meine Reise zurück zu den Träumen, zur spirituellen Suche, zur Literatur, und ich nahm den Guten Kampf wieder auf, jenen, den du mit friedfertigem Herzen führst, weil er das Ergebnis eines Wunders ist.

(Paolo Coelho)

 

18.8.06 14:26


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