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Lebenszeichen

Von Anselm Grün gibt es auch einen sehr schönen Text zum Thema "Stille", den ich euch nicht vorenthalten möchte..

 

Stille  (Anselm Grün)  Teil 1

Der Advent wird die stille Zeit genannt. Aber viele erleben ihn eher als hektisch und laut. Da hetzen die Leute durch die Geschäfte, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und doch braucht es die stille, damit Gott bei uns eintreten kann. Ohne stille werden wir Gottes Kommen nicht wahrnehmen, werden wir sein klopfen an der Türe unseres Herzens überhören.

Das deutsche Wort „still“ kommt von „stellen, unbeweglich stehen“. Es braucht also das innehalten, um stille zu werden. Ich muss aufhören, herumzulaufen und zu hetzen. Ich muss stehen bleiben, bei mir bleiben. Wenn ich still halte, dann werde ich zuerst mir selbst begegnen. Da kann ich meine Unruhe nicht mehr nach außen verlagern. Ich werde sie in mir wahrnehmen. Nur, wer seiner Unruhe standhält, kommt zur Stille. „Still“ hat auch mit „stillen“ zu tun. Die Mutter stillt das Kind, bringt das vor Hunger schreiende Kind zur ruhe. So muss ich meine eigene Seele, die innerlich laut schreit, beruhigen. Wenn ich nicht mehr außen herumlaufe, dann meldet sich der Hunger meines Herzens. Dann schreit mein herz, weil es nicht zufrieden gestellt ist. Es braucht dann Nahrung. Ich muss mich mütterlich meinem herzen zuwenden, damit es Ruhe gibt. Doch viele haben Angst, sich auf das lärmende Herz einzulassen. Sie lenken es lieber ab, indem sie von Ort zu Ort hasten. Aber ihr Herz schreit weiter. Es lässt sich nicht ablenken. Es braucht Zuwendung. Es will gestillt werden.

„Nur zu Gott hin wird meine Seele still“, heißt es in Psalm 62.2. Wir singen diesen Psalm immer in der Nachthore (Komplet) des Mittwochs. Er berührt mich jedes Mal. Ich kann mein Herz nicht selbst beruhigen. Wenn ich mich dem innersten Schrei meines Herzens zuwende, dann spüre ich, dass es Hunger hat nach etwas ganz anderem, als ich ihm zu geben vermag. Es sehnt sich nach Gott. Nur in Gott kommt es wirklich zur ruhe. Gönne dir in der Adventszeit Zeiten der Stille, um darin Ausschau zu halten nach Gott. Und wenn sich in der Stille zuerst der innere Lärm erhebt, dann halte ihn einfach aus. Bleib stehen. Halte dein schreiendes Herz Gott hin, damit er es stillt. Dann wird die stille dir zur Wohltat, dann kannst du deine Seele im Schweigen baden. Du hältst es aus bei dir. Du kannst es genießen, einfach bei dir und vor Gott zu sein. In der stille will niemand etwas von dir. Du kannst einfach so sein.



17.12.07 12:38
 

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