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Lebenszeichen

 
Ernte 

Und wo ist die Ernte? Was bring ich ein am Ende meiner Tage?

Meine Arbeit hat ihren Ertrag gebracht, gewiss -

aber ich rede nicht von Leistung...

Ernte ist anders. Ernte wird nicht gemacht.

Sie wächst, sie gedeiht, sie reift - und wird eingebracht.

Sonne, und Regen des Himmels schaffen sie.

Meine Ernte ist also nicht, was ich meinen Kindern vererbe, 

sondern das, was aus mir selbst geworden ist in der langen Zeit.

Nur mich selbst werde ich mitnehmen auf dem letzten Weg.

Eben das aber, was ich selbst geworden bin, sehe ich nicht.

Es wächst sozusagen hinter meinem Rücken -

wie auf alten Bildern oft hinter dem Rücken eines Menschen

ein Zweig oder ein Baum steh
t.
Jörg Zink
                                        

   
1.10.06 00:17


ErnteDank

Laub1 Laub1

Ich merke, dass es mir gut tut, mir die Feste des Kirchenjahres "zurück" zu holen, sie für mich mit Sinn zu füllen. ERNTEDANK ist zusammen mit dem 1. Oktober, an dem ich feire, dass ich wieder einen Sommer geschafft habe, ganz wichtig geworden.
Diesmal hab ich es mir für die "Besinnliche Stunde" echt schön gemacht: ganz viel Herbst in Schalen und Väschen, buntes Laub und alles, was die Bäume sonst noch jetzt abwerfen: Bucheckern, Kastanien, Nüsse, Eicheln, Kletten, Propeller, Beeren in allen Rot- und Orangetönen. Und unzählige Teelichter in Herbstfarben... schöööön Laub1

In einem Buch finde ich folgende Zeilen:


"Wir bringen dir unsere Gaben: unser Versprechen und unsere Bereitschaft, des Nächsten wegen unsere persönlichen Wünsche einzuschränken; unseren Willen, mehr Zeit für die Arbeit in der Gemeinde und für die Gemeinschaft aufzubringen; unsere Hoffnung, anderen zuhören zu können und trotz Enttäuschungen immer wieder neue Wege zu suchen..."


Ich fühle Erleichterung - solche Gaben habe ich auch zu bringen - wenn auch nicht im Hinblick auf Gemeinde. Aber in hinblick auf meine Nächsten, auf meine Familie, Freunde und Bekannten, Nachbarschaft, Forum.

Aber ist das gemeint?
Heißt ErnteDank nicht für das zu danken, was wir bekommen haben?

Laub1 Ursprünglich wurde ErnteDank doch ganz konkret für die Ernte gedankt - die das Leben für die nächste Zeit, für den Winter sicherte. Diese Ernte bringen wir nicht ein, das bringt unsere Lebensweise mit sich. Und doch sichern die Früchte der Ernte anderer unseren Lebensunterhalt. Auch meinen als Erwerbsunfähige.
Wieso ist es so schwer, dafür Dankbarkeit zu empfinden?
Ich habe allen Grund dankbar zu sein...
Dankbar, dass ich etwas abbekomme von der Ernte, die andere einbringen.
Dankbar auch, dass irgendwann einmal Menschen sich dafür eingesetzt und gekämpft haben, dass Menschen, die nicht allein für ihren Lebensunterhalt sorgen können, versorgt werden. Es war ein langer Weg dahin. -

Ich zehre von dem, was andere lange zuvor taten. Ich bin eingebunden in eine lange Geschichte. Diese Geschichte ist noch lange nicht zuende.

Möge ich das meine dazu tun, das sie weiter geht.
Ich bringe meine Bereitschaft - möge das Leben sie segnen.

Laub1
2.10.06 18:05



Da die Zusatzseiten nur bei gezieltem Aufruf erscheinen, und ich auch nicht kennzeichen kann, wenn ich sie aktualisiert habe, werde ich es jeweils hier vermerken, wenn sich da was getan hat...

Wer Bin Ich II

Hoffnungsgeschichten II

5.10.06 09:51


Weiter aktualisiert: Wer Bin Ich II


 

7.10.06 14:00


Hell und Dunkel

Habe heute folgende Übung (zum Thema Herbst) entdeckt und gemacht:

Setzen oder legen Sie sich entspannt hin und stellen Sie sich eine altmodische Waage mit zwei Waagschalen vor.

Zunächst sind die Waagschalen im Gleichgewicht; aber allmählich legt sich auf die eine mehr und mehr Dunkel: das Kürzerwerden der Tage, Angst, Zweifel, alles Grausame, das in der Welt geschieht...

Und nun stellen Sie sich vor, wie Sie das Dunkel aufwiegen durch Helles, das Sie in die andere Schale legen: Hoffnung und Zuversicht, Liebe, Licht, das auch im Dunkeln da ist, Erlebnisse von Bewahrtwerden, Führung und Hilfe...

Beachten Sie, wie sich mit jedem Hellen, das sie dazu legen, die Schale mit dem Dunklen ein wenig hebt, ein wenig an Gewicht verliert, und überlassen Sie sich den Gedanken und Empfindungen, die das in Ihnen auslöst.


Ich war ganz schnell drin - da war die Waage - und dann kam schon Schlag auf Schlag, all die Schläge, die sich durch mein Leben ziehen... und immer noch was drauf und nochwas und irgendwann war die Waagschale mit dem Dunklen so voll und schwer und lag auf dem Boden, dass ich dachte, das ist unmöglich, die wieder hochzukriegen.... Shock1

Aber ich fing an, konzentrierte mich auf die andere Waagschale und fing an, sie zu füllen. Mit allem, was sich jemals gut angefühlt hatte... Und mir wurde immer leichter und leichter und leichter, und immer heller und froher ums Herz... - und ich fühlte, dass es nicht wahr ist, dass das Dunkle überwiegt....

Aber dann passierte etwas Sonderbares, also, noch etwas Sonderbares...: ich versuchte, nachdem ich zuletzt nur noch in meinem Gefühl, losgelöst von dem Bild mit der Waage war, mir vorzustellen, wie beide Schalen im Gleichgewicht waren, oder wie sogar die helle schwerer würde als die dunkle - und das ging nicht. Weil ich das Gefühl hatte, dass es keinen Sinn macht... dass die dunkle Schale eben auf den Boden gehört, auf dem Boden sein muss, damit die andere, die helle Schale, in den Himmel reicht.
All das Dunkle, vielleicht hat es mich so dem Himmel näher gebracht...

 

Aber noch viel mehr verstand ich, als ich das Bild malte:

ich hatte die obigen Gedanken in mein Glückstagebuch geschrieben und malte dann als Deko sozusagen ein Bild dazu: die Waage eben, mit der Schale voll Dunkel auf dem Boden, und der Schale voll Hellem in den Himmel reichend... - aber ich malte keine Waage, sondern eher eine Wippe; und ich begann mit dem Punkt in der Mitte an dem alles aufliegt. Und da wurde mir klar, dass das eigentliche Zentrum des Geschehens weder die dunkle, noch die helle Schale ist - es ist die Mitte der Waage/der Wippe - es ist der Punkt, wo hell und dunkel ausbalanciert wird.
Es ist vielleicht gar nicht so wichtig, was in die Schalen gepackt wird, wichtig ist, was hier geschieht: hier ist das Eigentliche am Werk, hier lebt das Geheimnis, hier wächst etwas...
Ich glaube, auf dieses Zentrum kommt es an.

7.10.06 14:01


Tunnel

Diese Geschichte ist eigentlich die Auflösung eines Rätselspieles, wie sie vor einigen Jahren einmal in Umlauf waren. Man bekam einen oder zwei Sätze, die gewisse Informationen enthielten, und musste daraus auf die zugrundeliegende Geschichte schließen. In diesem Fall waren die Anfangsinformationen: Als der Zug durch den Tunnel fuhr, erschoss sich der Mann. Hätte er im Raucherabteil gesessen, wäre das nicht passiert. Soweit das Rätsel. Die Geschichte war folgende:

Ein Mann war sein Leben lang blind gewesen. Nun war er aber operiert worden, eine Operation, die ihm das Augenlicht geschenkt hatte. Er befand sich gerade auf der Heimfahrt. Als nun der Zug, für ihn offenbar unerwartet, in den Tunnel fuhr und es stockfinster wurde (in dieser Geschichte herrschte anscheinend zusätzlich ein Stromausfall), dachte er, er sei wieder blind und gab auf. (In einem Raucherabteil hätte er vielleicht das glimmende Ende einer Zigarette sehen können...und seinen Irrtum bemerkt.)

Der Mann konnte also die Dunkelheit nicht mal einen Tunnel lang ertragen - weil er dachte, es sei wieder die völlige Dunkelheit, die ihn sein Leben lang begleitet hatte. Es war nicht die Dunkelheit an sich, die ihn so erschrak - hätte er gewusst , dass es ein Tunnel und deshalb dunkel war, hätte er sich sicher nicht umgebracht.
Ich glaube, dass es im Leben oft so ist: Wir erleben etwas, was wir als Signal für etwas anderes werten, und reagieren, vielleicht nicht ganz so drastisch, wie dieser Mann, aber doch so, dass wir nicht mehr erkennen können, dass tatsächlich nicht das Erwartete, sondern etwas ganz anderes eingetreten ist, was zunächst vielleicht an das Befürchtete erinnerte.

Re-Traumatisierungen mögen oft genau so verlaufen. Ich glaube, gerade wenn ein Signal auf die unbewusste Vergangenheit trifft, also überhaupt nicht als solches erkannt werden kann - und das kann ein einziges Wort sein - reagieren Menschen manchmal wie dieser Mann. Sie überprüfen Realität nicht mehr, es setzt ein Mechanismus ein, der alles verschließt, und der innere Film kommt ins Rollen...

Ich wünsche mir und allen, die hier lesen, zu lernen, dass es oft nur Tunnel sind, die ich gerade durchquere, und es nicht die große, große Dunkelheit ist, die mich wieder eingeholt hat. Auf dass ich, und jeder von uns, noch viele Tunnel durchstehe!

 

9.10.06 20:41


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