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Lebenszeichen

4.6.06 12:14


 

Verhalten und Sein sind immer auch situationsbezogen.

Ich versuche, einen Seins-zustand zu erreichen, in dem ich mich einmal wohlfühlte - der aber zu meiner jetzigen Lebenssituation gar nicht passt.

Es war eine andere Lebenssituation, die ihn hervorgebracht hatte.

Aber vielleicht, wenn ich aufhöre, etwas sein und fühlen zu wollen, was nicht passt, kann ich anfangen, in der jetzigen situation ein Sein und gefühle hervorzubringen, die ebenfalls so sind, dass ich mich in mir wohlfühle. ??!

Therapie hat mich fortwährend Situationen ausgesetzt, in denen ich mich nicht verhalten konnte, anstatt konstruktive Lösungen für meine Lebenssituation mit mir zu erarbeiten.

Der Abnabelunsprozess wurde aufgehalten und rückgängig gemacht - mein eigener Lebensentwurf abgebrochen und ich einverleibt in lebensräume, wo ich nie hinwollte.

Dez 2003

4.6.06 15:02


Der gefangene Löwe

Ein Löwe geriet in Gefangenschaft und wurde in ein Lager gebracht, wo er zu seinem Erstaunen noch andere Löwen antraf, die schon jahrelang dort waren, einige sogar ihr ganzes Leben, denn sie waren dort geboren. Er lernte bald die sozialen Betätigungen der Lagerlöwen kennen. Sie schlossen sich in Gruppen zusammen. Eine Gruppe bestand aus den Gesellschaftslöwen; eine andere ging ins Showgeschäft; wieder andere betätigten sich kulturell, um die Bräuche, die Traditionen und die Geschichte jener Zeiten zu bewahren, als die Löwen in Freiheit lebten. Andere Gruppen waren religiös – sie kamen zusammen, um zu Herzen gehende Lieder zu singen von einem künftigen Dschungel ohne Zäune. Einige Gruppen fanden Zulauf von denen, die sich von Natur aus für Literatur und Kunst interessierten; wieder andere waren revolutionär gesonnen, sie trafen sich, um sich gegen ihre Wärter zu verschwören oder gegen andere revolutionäre Gruppen Pläne zu schmieden. Ab und zu brach eine Revolution aus, die eine oder andre Gruppe wurde ausgelöscht, oder alle Wärter wurden umgebracht und durch andere ersetzt.

Als sich der Neuankömmling umsah, bemerkte er einen Löwen, der stets tief in Gedanken versunken schien, ein Einzelgänger, der keiner Gruppe angehörte und sich meistens von allen fern hielt. Es war etwas Seltsames um ihn, das sowohl die Bewunderung der anderen hervorrief, aber auch ihre Feindseligkeit, denn seine Gegenwart erzeugte Angst und Selbstzweifel. Er sagte zu dem Neuankömmling: „Schließ dich keiner Gruppe an. Diese armen Narren kümmern sich um alles, bloß nicht um das Wesentliche.“

„Und was ist das?“ fragt der Neuankömmling.

„Über die Art des Zaunes nachzudenken.“

Nichts, aber auch gar nichts anderes ist wichtig!

 

Lass mich heraus

Nichts beschreibt besser die menschliche Natur als die Geschichte des armen betrunkenen, der spät achts außerhalb eines Parks am Zaun rüttelt und schreit: „Lasst mich raus!“

Nur deine Illusionen hindern dich an der Erkenntnis, dass du frei bist – und es immer warst.

Beide: Anthony de Mello
5.6.06 13:46


Die kleinen Dinge...

Denke heute morgen auf einmal, dass es doch irreführend ist, wenn man immer sagt: wir müssen lernen, die kleinen Dinge zu schätzen. Ich denke, es geht darum, die wirklich großen schätzen zu lernen – wie das Rauschen der Bäume, das Gras, die Schneeflocken ... um nur diese drei zu nennen.

5.6.06 13:51


Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen

Und dass es regnet, hagelt, stürmt und schneit.

Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit

Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.

Dass Amseln flöten und Bienen summen,

dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.

Dass rote Luftballons ins Blaue steigen,

dass Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht

Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.

Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter

Gefällt mir wohl da steht ein Sinn dahinter,

auch wenn die Neunmalklugen ihn nicht sehn,

man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn.

Ich freu mich, das ist des Lebens Sinn,

ich freu mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter,

die Deele blitzt, das Feuer ist geschürt,

an solchen Tagen erklettert man die Leiter,

die von der Erde in den Himmel führt.

Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,

weil er sich selber liebt, den Nächsten lieben.

Ich freu mich , dass ich mich an das Schöne

und an das Wunder niemals ganz gewöhne.

Dass alles so erstaunlich bleibt und neu.

Ich freu mich, dass ich,

dass ich mich freu.

Mascha Kaleko

 

Wenn Sie mögen, können Sie den Text eine Weile täglich lesen und darüber nachdenken oder meditieren. Es könnte sein, dass er eine verändernde Kraft entfaltet.

 


16.6.06 18:13


Die Gegenwart entziffern

„Die Weisheit hat mich allmählich im Laufe des Lebens gelehrt,

dass die Vorbereitung der Zukunft nur im Begründen der Gegenwart besteht.

Und dass sich alle in Utopien und Bestrebungen verzehren,

die fernen Bildern nachjagen, den Früchten ihrer eigenen Erfindung.

Die einzige wahrhafte Erfindung besteht in einer Entzifferung der Gegenwart,

ihrer unzusammenhängenden Seiten und ihrer widerspruchsvollen Sprache.

Die Zukunft bauen heißt die Gegenwart leben.“ (Antoine de Saint-Exupéry)


Dieser Ausdruck « Die Gegenwart entziffern » hatte es mir schon immer angetan.

Und irgendwann wurde mir klar, dass eine Praxis, die ich in den letzten Monaten entwickelt habe, eigentlich genau das bedeutet: eine Entzifferung der Gegenwart. Und gleichzeitig ist sie so etwas, wie meine tägliche Inventur.

Meine vier Fragen, die Gegenwart zu entziffern

Morgens


- Wie geht es mir?

- Welche Gefühle herrschen vor?

- Woran will ich heute arbeiten?

- Was wünsche ich mir für heute?

Abends

- Wie geht es mir?

- Welche Gefühle herrschen vor?

- Was ist mir heute gelungen?

- Was wurde mir geschenkt?

Ein paar Gedanken dazu..

Mich zu fragen: Wie geht es mir? ist eine unendliche Wohltat – denn es bedeutet Aufmerksamkeit mir selbst gegenüber. Es tut gut, dieser Frage Bedeutung schenken zu dürfen.

Das Woran will ich heute arbeiten hilft mir sehr zu verstehen und zu begreifen, dass mein Heute nicht immer dasselbe ist; eine ewige Wiederholung. Es hilft mir, die Einzigartigkeit meine Heute, des Heute von heute, zu begreifen. Ebenso das Was wünsche ich mir... Denn seltsamerweise tauchen dann die Wünsche auf, die mir sonst gar nicht bewusst werdend, weil ich an dem großen Wunsch: die großen Mängel meines Leben mögen endlich behoben sein, festhalte (Familie, Arbeitsfähigkeit usw...)

Wen es wundert, dass ich abends nicht frage, was ich verpatzt habe: das ist mir sowieso sehr bewusst... Aber zu fragen, was ist mir gelungen und was wurde mir geschenkt, ist sehr hilfreich. Wenn ich das zu dem in Beziehung setze, woran ich arbeiten wollte und was ich mir gewünscht habe, ist das oft sehr aufschlussreich.

Was auch interessant ist, ist festzustellen, wie oft sich die vorherrschenden Gefühle im Laufe des Tages verändern, ebenso wie mein Befinden.
18.6.06 18:00


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